Atomkraft Chinesen greifen nach Fabrik

Auf der Kanzlerreise in China haben die Gastgeber Interesse an der abgebauten Plutonium-Anlage im hessischen Hanau gezeigt. Die umstrittene Fabrik, die nicht in Betrieb genommen wurde, könnte für 50 Millionen Euro den Besitzer wechseln.

Kanton/Peking - Bundeskanzler Gerhard Schröder will den Wunsch Chinas prüfen, die demontierte Plutonium-Anlage im hessischen Hanau zu kaufen. Nach seiner Ankunft auf der zweiten Station seiner China-Reise in Kanton in Südchina bestätigte Siemens-Chef Heinrich von Pierer, der Kanzler habe bei den Gesprächen mit Regierungschef Wen Jiabao zugesagt, "das Ansinnen mit Interesse zu prüfen".

Koalitionsintern sei die Frage noch nicht geklärt, berichteten Regierungskreise. Es geht um ein Geschäft mit einem Umfang von etwa 50 Millionen Euro. Nur die eingepackten technischen Teile der einst 700 Millionen Mark teuren Anlage zur Herstellung plutoniumhaltiger Brennelemente sollen geliefert werden. Der Siemens-Chef betonte, sie könne nicht für andere Zwecke benutzt werden.

Regierungskreise verteidigten die Zusage des Kanzlers, für eine Aufhebung "Das neue China ist nicht mehr das Tian'anmen-China." Das Embargo ist die letzte Sanktion, die noch seit der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 auf dem Tian'anmen-Platz besteht. Ministerpräsident Wen Jiabao habe sein Interesse an dem stillgelegten Werk am Montag im Gespräch mit Kanzler Gerhard Schröder in Peking geäußert, berichteten am Dienstag Regierungskreise auf dem Weg zur zweiten Station der Chinas-Reise Schröders nach Kanton.

Das Werk liegt seit gut sechs Jahren still. Es wurde bereits teilweise demontiert. Doch die Anlage zur Herstellung plutoniumhaltiger Brennelemente könnte vollständig exportiert werden. Die Fabrik war 1991 fertig gestellt und vier Jahre später noch vor der Inbetriebnahme aufgegeben worden. Es sollte einmal die weltweit größte Anlage dieser Art werden. Siemens bot das Werk einmal komplett zum Export nach Russland an, doch wurde das Vorhaben Mitte 2001 aufgegeben.

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