Getränkekonzerne Angebote wie sauer Bier

Die Verkaufsgespräche über die Hamburger Holsten-Brauerei sowie den Getränkekonzern Brau und Brunnen ziehen sich hin. Der Hypo-Vereinsbank, Mehrheitseigentümerin an Brau und Brunnen, ist ein Kaufinteressent abgesprungen.

Hamburg - Die Verkaufsverhandlungen über die beiden deutschen Brauereikonzerne Holsten  sowie Brau und Brunnen  gestalten sich weiterhin schwierig.

So gab es bei den monatelangen Verhandlungen über den Verkauf des viertgrößten deutschen Brauereikonzerns Brau und Brunnen einen Rückschlag. Die Mehrheitseigentümerin HypoVereinsbank  habe die Verhandlungen mit dem US-Investor One Equity Partners (OEP) abgebrochen, hieß es am Montag in Branchenkreisen. Die Dortmunder Brautochter lud zwar für diesen Dienstag zu einer Pressekonferenz zur Zukunft des Unternehmens. Die Präsentation eines Käufers gilt aber als unwahrscheinlich. Branchenkenner bezweifeln, dass Brau und Brunnen wie geplant noch 2003 verkauft wird.

Die HypoVereinsbank (HVB) als Mehrheitseigner verhandelte zuletzt nach Angaben aus Branchenkreisen noch mit vier Interessenten über den Verkauf ihrer 56-prozentigen Beteiligung an dem Getränkeriesen. Ein Branchenexperte sagte am Montag, die ganze Branche spekuliere über mögliche Szenarien. Sollte es zu einer Übernahme der HVB-Mehrheitsbeteiligung durch die Oetker-Tochter Radeberger kommen, würden damit zweifellos viele Arbeitsplätze verloren gehen und zwei Brauereien in Berlin und Dortmund geschlossen.

550 Millionen Euro für Holsten?

Ähnliches Bild bei der Holsten-Gruppe: Deutschlands bisher führender Brauereikonzern wollte Medienberichte am Montag nicht näher kommentieren, wonach sich eine Aufteilung anbahne, über die bereits in Kürze entschieden werde. "Wir suchen einen Partner. Die Gespräche dauern an. Es gibt keinen Zeitplan. Zu Spekulationen nehmen wir keine Stellung", sagte Holsten-Sprecher Udo Franke.

Der "Focus" hatte berichtet, dass die dänische Brauerei-Gruppe Carlsberg und die Bitburger Brauerei in dieser Woche gemeinsam die Übernahme der Holsten-Brauerei vereinbaren wollen. Holsten-Großaktionär Christian Eisenbeiss liege ein Angebot über 550 Millionen Euro vor, berichtet das Nachrichtenmagazin. Es sei jedoch fraglich, ob Eisenbeiss diese Summe genüge, da auf Holsten 300 Millionen Euro Schulden lasteten.

In Branchenkreisen heißt es seit gut einer Woche, Holsten verhandele mit Carlsberg , der deutschen Bitburger Brauerei und Radeberger. Großaktionär Christian Eisenbeiss hatte im Einvernehmen mit dem Vorstand angekündigt, einen erheblichen Teil seiner gut 48 Prozent an Holsten abzugeben.

Interbrew dominiert deutschen Markt

Im Falle einer Aufteilung könnte Branchenkreisen zufolge Carlsberg die Marken Holsten und Feldschlösschen bekommen, Bitburger die Marken König Pilsener und Licher sowie das Mineralwassergeschäft. Zum möglichen Kaufpreise kursiert eine Schätzung von rund 1,2 Milliarden Euro für den Gesamtkonzern. Dabei sollen die Marken König und Licher rund eine halbe Milliarde Euro wert sein. Allerdings hieß es in Branchenkreisen, dass für Carlsberg ein Einstieg in Deutschland eigentlich nur mit der gesamten Holsten-Gruppe und ihrem Marktanteil von knapp zehn Prozent Sinn machen würde.

Der wegen zahlreicher kleiner Brauereien als zersplittert geltende deutsche Biermarkt war in Bewegung gekommen, als der belgische Brauereiriese Interbrew  durch Übernahmen (Gilde, Beck's) Holsten rechnerisch in Deutschland vom ersten Rang verdrängte. Auch andere internationale Brauereikonzerne sind bereits in Deutschland aktiv. Umgekehrt spielen deutsche Brauereien weltweit noch eine untergeordnete Rolle. Aus eigener Kraft sehen sich Holsten sowie Brau und Brunnen kaum in der Lage, ihre Marktanteile wesentlich zu erhöhen.