DaimlerChrysler Von Apartheid, Asbest und Adtranz

Die Klage Kerkorians ist die spektakulärste gegen den Konzern – doch nicht die einzige, die viel Geld kostet. Die vier wichtigsten Verfahren gegen den Auto-Giganten im Überblick.

Stuttgart - Der Autobauer DaimlerChrysler  kämpft in vielen Ländern vor Gericht: Die Liste der Vorwürfe gegen den Konzern reicht laut Geschäftsbericht 2002 von der Unterstützung des früheren Apartheid-Regimes in Südafrika über die Forderung nach Schadenersatz für mögliche Erkrankungen durch asbesthaltige Bauteile bis hin zu angeblichen Preisabsprachen zwischen Mercedes-Händlern in den USA.

In England geht es um den britischen Lkw-Hersteller ERF und bei der Internationalen Handelskammer in Paris ist ein Verfahren von Bombardier wegen Adtranz anhängig.

Über die möglichen finanziellen Belastungen durch die Prozesse für das größte deutsche Industrieunternehmen gibt es noch keine konkreten Aussagen. Für besonderes Aufsehen sorgt die am (heutigen) Montag beginnende Verhandlung über die Klage des amerikanischen Milliardärs Kirk Kerkorian gegen die Fusion von Daimler-Benz und Chrysler vor fünf Jahren.

Auch eine Klage von Apartheid-Gegnern läuft. Sie werfen DaimlerChrysler und anderen internationalen Großkonzernen in mehreren Verfahren vor, von der Zusammenarbeit mit früheren Apartheid-Regierungen profitiert zu haben. Dabei seien ihnen die damaligen Menschenrechtsverstöße bekannt gewesen. In einem Fall wird gegen die Unternehmen ein Gesamtschadensersatz von über 400 Milliarden US-Dollar geltend gemacht.

Umstrittenes Asbest in Bauteilen

Wie andere Autobauer oder Zulieferer auch verzeichnet vor allem Chrysler in den USA eine Zunahme von Klagen wegen möglicher Erkrankungen durch bestimmte asbesthaltige Bauteile, die in den Fahrzeugen verwendet worden sind. Die Anspruchsteller begehren vor Gericht Schadenersatz, weil sie infolge der Bauteile unter anderem an Krebs oder Asbestose erkrankt seien.

DaimlerChrysler argumentiert, dass bei zahlreichen dieser Verfahren nicht näher begründete Erkrankungen oder "lediglich dürftige Zusammenhänge mit Bauteilen in Fahrzeugen angeführt werden, und dass es zuverlässige wissenschaftliche Nachweise gibt, die eine Abweisung zahlreicher dieser Ansprüche unterstützen."

Der Rattenschwanz nach dem Adtranz-Verkauf

Auch aus dem Verkauf der früheren defizitären Bahntechniktochter Adtranz an das kanadische Unternehmen Bombardier ist ein Rechtsstreit geworden. Das Schiedsgerichtsverfahren ist bei der Internationalen Handelskammer in Paris anhängig.

Im Kern geht es um den Verkaufspreis in Höhe von 725 Millionen Dollar, der im Jahr 2001 vereinbart worden war. Das kanadische Unternehmen will ihn nach unten drücken und fordert Schadensersatz von rund 960 Millionen US-Dollar. Bombardier wirft dem Autokonzern vor, vertragliche Garantien nicht eingehalten zu haben. Bombardier macht geltend, dass es unter anderem gravierende Wertabweichungen beim übernommenen Nettovermögen gegeben habe.

MAN fordert Schadenersatz wegen ERF-Zahlenwerk

In Großbritannien geht es in einem weiteren Verfahren um den britischen Lkw-Hersteller ERF. Dieser wurde im Jahr 2000 von der kanadischen Western Star an MAN verkauft - noch bevor Western Star von der Daimler-Tochter Freightliner übernommen wurde. MAN fordert Schadensersatz, weil beim Verkauf in der ERF-Bilanz falsche Angaben über den tatsächlichen Zustand des Lastwagen-Herstellers gemacht worden seien.


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