Volkswagen Schelte vom Großaktionär

So etwas hätte es zu Zeiten eines Gerhard Schröder nicht gegeben. Niedersachsens CDU-Premier Christian Wulff übt öffentlich Kritik an der Modellpolitik der Wolfsburger Autobauer. Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder will trotzdem einen weiteren Edelboliden bauen – womöglich mit Maserati-Technik.

Hannover - Auch wenn VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch (66) in seiner Autobiografie die Beziehung zu Bundeskanzler Gerhard Schröder (59) - bekanntlich zwischen 1990 und 1998 niedersächsischer Landeschef - unlängst auf eine "Interessengemeinschaft" reduzierte, konnte sich der damalige Alleinherrscher in Wolfsburg sicher sein, nicht öffentlich abgewatscht zu werden.

Sein Nachfolger Bernd Pischetsrieder (55) steht hingegen wohl nicht unter Artenschutz. Volkswagen  habe seiner Meinung nach in der Vergangenheit Fehler gemacht, ließ der aktuelle Ministerpräsident Christian Wulff (44) in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" wissen. So sei der Luxus-Bereich zu stark gepflegt worden, sagte der CDU-Politiker, der seit April dieses Jahres im Volkswagen-Aufsichtsrat sitzt, in der Montagausgabe der Zeitung. Zur Erinnerung: Bei der Eröffnung der Phaeton-Fabrik "Gläserne Manufaktur" in Dresden erschien Schröder persönlich. Die Kombination Luxus und Ost-Arbeitsplätze ließ sich der sozialdemokratische "Auto-Kanzler" nicht entgehen.

"Unsere Ingenieure haben vom Phaeton gelernt"

Sein Nachfolger in Hannover schimpft aber nicht nur über die 100.000-Euro-Volkswagen, sondern kritisiert auch die Politik im Brot- und Buttergeschäft. Der Modellwechsel beim Golf und beim Passat hätte in größerem Abstand vorgenommen werden müssen, so Wulffs Vorwurf an die Konzernführung. Wahrscheinlich fühlte Wulff sich durch Meldungen alarmiert, wonach Volkswagen wegen drastischer Gewinneinbußen an keinem deutschen Standort Gewerbesteuern bezahlt.

In einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" hatte Volkswagen-Chef Pischetsrieder am Wochenende den Bau von Nobelkarossen verteidigt. "Die Premiumpositionierung von Audi hat der A8 möglich gemacht, bei VW erfüllt der Phaeton diese Aufgabe", so Pischetsrieder. Die VW-Ingenieure hätten vom Phaeton gelernt und somit den reibungslosen Anlauf des neuen Golfs ermöglicht.

Zwar räumte Pischetsrieder - seit anderthalb Jahren die Nummer eins bei VW - ein, dass Volkswagen die Volumen für Phaeton und Bentley Arnage nach unten angepasst habe, kündigte aber gleichzeitig an, einen Konkurrenten für den 5er BMW und die Mercedes E-Klasse zu entwickeln, der die "Preislücke zwischen Phaeton und Passat" schließen solle. Der "C1" werde voraussichtlich 2007 in Serie gehen und könnte einen Hinterradantrieb aus dem Hause Maserati verpasst bekommen.

Touran für die Kanzler-Gattin

Die ungünstige Terminierung der Modellwechsel bei Golf und Passat hatte Pischetsrieder auf der diesjährigen Hauptversammlung in Hamburg bereits selbst thematisiert und eine künftige Entzerrung angekündigt. Allerdings sei diese auf Grund der langen Produktzyklen nicht kurzfristig erreichbar. Das Fehlen von Fahrzeugen der unteren und mittleren Preisklasse in der Modellpalette hatte der ehemalige BMW-Chef schon bei seinem Amtsantritt eingeräumt.

Eine Lücke konnte immerhin geschlossen werden. Der Spätstarter Touran zog in den Verkaufsstatistiken schnell an der Konkurrenz vorbei und begeisterte auch den Kanzler. Seit kurzem kurvt seine Gattin Doris Schröder-Köpf mit einem VW-Minivan durch Hannover.

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