Weihnachtsgeschäft Her mit den Geschenken!

Vom "fulminanten Start" ins Weihnachtsgeschäft berichtet der Einzelhandel. "Bombastisch" seien die Umsätze, jubelt der Kaufhof - als hätten die Verbraucher just für dieses Wochenende gespart. Und in den USA meldet die weltgrößte Handelskette einen Rekordumsatz.

Hamburg - Der Auftakt des Weihnachtsgeschäft läuft für den Einzelhandel besser als erwartet.

Am langen ersten Adventswochenende strömten die Verbraucher in Scharen in die Geschäfte. Eine deutliche Mehrzahl der Kaufhäuser berichtete von höheren Umsätzen als vor Jahresfrist. Allerdings schauten viele Kunden genau auf den Geldbeutel und die Preise. Das ergaben Umfragen der von dpa und dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandel (HDE).

Der Einzelhandel war skeptisch in den Weihnachtsrummel gestartet. Weil der Lagerdruck zunahm, sahen sich viele Unternehmen zu Preissenkungen gezwungen. Nach dem jüngsten Konjunkturtest des ifo Instituts profitierte der Handel besonders im Westen nicht vom Stimmungsaufschwung in der Wirtschaft.

Lagerdruck lässt Preise schmelzen

Wegen des Lagerdrucks kommt es zu mehr Rabattaktionen, als dem Handel selbst lieb ist. Der Einzelhandels-Verbandspräsident Hermann Franzen warnte bereits vor ewigen Preisrutschen: Der Handel brauche nicht nur Umsatz, sondern auch Gewinne.

Von Pessimismus war am Wochenende kaum etwas zu spüren. Etwa die Hälfte der vom HDE befragten Kauf-, Warenhäuser und Fachgeschäfte berichteten von höheren Umsätzen als ein Jahr zuvor. Nur ein Viertel machte schlechtere Geschäfte. Das Bild sei zwar noch uneinheitlich, sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr der dpa. "Wir erwarten am Ende aber schon ein Plus." Der Karstadt-Konzern (KarstadtQuelle ) konstatierte "überall volle Geschäfte" und rechnet bundesweit mit einem besseren Weihnachtsgeschäft als 2002. Der Eindruck sei durchgängig gut, sagte ein Konzernsprecher.

"Wir haben einen fulminanten Start erlebt", erklärte Karstadt in Stuttgart. Beim Kaufhof München hieß es: "Das Geschäft läuft bombastisch." Und die Gera-Arkaden erklärten nach den "verhaltenen" Vorwochen: "Es scheint, als hätten die Kunden bewusst für diesen Tag gespart." Das Marktplatz-Center in Neubrandenburg zählte mehr Kunden als im Vorjahr und verlautete: "Im Media-Markt ist die Hölle los."

DVD, Lego und Playmobil ganz oben auf den Listen

Doch wo das Wetter zu schlecht war oder Kundgebungen die Straßen blockierten wie in Halle, verkürzten viele Kunden auch den Einkaufsbummel. Die Handelsverbände von Niedersachsen bis Berlin rechneten per Saldo mit einem Geschäft auf dem Vorjahresniveau.

Besonders gut verkauften sich nach HDE-Sprecher Pellengahr Notebooks und DVD-Aufnahmegeräte, Spielwaren wie Lego und Playmobil, Textilien, Süßwaren und Dekorationsmaterial. In der dpa-Umfrage nannten die Händler zudem Digitalkameras, Bücher, Uhren und Schmuck, Parfüm und Dessous. Die Verbraucher wählten aber genau aus und seien vorsichtig, sagte Pellengahr. "Die Konsumbremse ist noch nicht gelöst."

Nach einer polis-Umfrage im Auftrag der dpa wollten 31 Prozent der Konsumenten diesmal an Geschenken sparen. Nur elf Prozent wollten mehr ausgeben als 2002. Beim Weihnachtsessen sitzt das Geld noch lockerer: Hier will nur jeder Vierte (24 Prozent) weniger ausgeben; die übrigen wollen genauso viel oder tiefer in die Tasche greifen.

Unsicherheitsfaktor Steuerreform

Unsicherheitsfaktor Steuerreform

Wie viel die Kunden am Ende tatsächlich für die Festwochen ausgeben, wird nach Einschätzung von Experten auch davon abhängen, ob die Steuerreform vorgezogen wird und was die Menschen von ihr erwarten. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erwartet insgesamt für den Einzelhandel im Jahres-Endspurt einen Umsatzanstieg um ein Prozent. Das Marktforschungsunternehmen BBE geht sogar von plus zwei Prozent aus.

Einen noch stärkeren Auftakt als hierzulande verzeichnete der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart  beim Weihnachtsgeschäft in den USA. Der Konzern verbuchte einen Umsatzrekord.

Das Unternehmen mit mehr als 3000 Läden meldete am Wochenende für den Freitag einen Tagesumsatz von 1,52 Milliarden Dollar (1,27 Milliarden Euro), neun Millionen mehr als im vergangenen Jahr. Der Freitag nach dem groß gefeierten Erntedankfest ist traditionell der erste große Einkaufstag der Vorweihnachtszeit. Insgesamt war der Einzelhandel allerdings nicht vollauf zufrieden mit dem Geschäft.

670 Dollar Durchschnittsetat für Christmas-Einkauf

"Die Käuferzahlen waren gut, aber nicht spektakulär", erklärte der Einzelhandelsverband (NRF). Kleidung, Elektronik und Spielzeug standen ganz oben auf der Wunschliste der Käufer. Viele Geschäfte hatten die Türen schon im Morgengrauen geöffnet und lockten Käufer mit zahlreichen Sonderangeboten. Manche Geschäfte machen in der Weihnachtszeit 40 Prozent ihrer Jahresumsätze.

Der US-Verband erwartet für die Vorweihnachtswochen im Jahresvergleich nominal einen Umsatzzuwachs um 5,7 Prozent auf 217 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr waren die Verkäufe nur um 2,1 Prozent gestiegen. Seitdem hat sich die US-Wirtschaft aber kräftig erholt. Im 3. Quartel wuchs sie auf hochgerechneter Jahresrate um 8,2 Prozent. Amerikaner geben nach Verbandsangaben in der Vorweihnachtszeit im Durchschnitt pro Person rund 670 Dollar für Geschenke, Karten und Dekorationen aus.

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