Sparkasse Stralsund Der historischen Dimension bewusst

Die Sparkasse Hansestadt Stralsund soll in einem Bieterverfahren verkauft werden. Das erklärte Harald Lastovka, Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse und Oberbürgermeister der Stadt Stralsund, am Mittwoch.

Stralsund - Einen entsprechenden Antrag werde der Verwaltungsrat der Bürgerschaft der Stadt am 11. Dezember vorlegen, erklärte Lastovka. Eine Zustimmung gilt als sicher, da die drei Fraktionsvorsitzenden der Bürgerschaft (CDU, SPD und PDS) ebenfalls im Verwaltungsrat sitzen und diesen Antrag mittragen, wie sie auf der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz bekräftigten.

Nach Aussagen von Lastovka wird dabei nicht nur eine Fusion gegen Wertausgleich mit einem anderen öffentlich-rechtlichen Kreditinstitut ins Auge gefasst, sondern auch der Verkauf an einen privaten Investor. Bedenken, dass das geltende Sparkassenrecht einem Verkauf entgegenstehe, teilte Lastovka nicht. "Es gibt Rechtsgutachten, die eine andere Meinung zu diesem Thema haben", betonte der Oberbürgermeister und berief sich in diesem Zusammenhang auf den Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Caio Koch-Weser, der zuletzt für eine Auflockerung des dreigliedrigen Bankensystems in Deutschland plädiert hatte.

Angaben zur Due Diligence oder zu einem angestrebten Verkaufspreis machte Lastovka nicht. Auch zu möglichen Interessenten wollte er sich nicht äußern. Man wolle die Erlöse aus einer etwaigen Veräußerung aber zur Sanierung von Schulen und Kindertagesstätten verwenden, hieß es weiter. Bereits im Frühjahr hatte die Stadt Stralsund ihr Klinikum für 32 Millionen Euro an einen privaten Investor verkauft.

Angeblich angespannte Finanzlage der Sparkasse

Lastovka betonte, dass das Institut (rund 550 Millionen Euro Bilanzsumme, 160 Mitarbeiter, etwa 65 Prozent Marktanteil in Stralsund) gesund sei und keine unkalkulierbaren Risiken im Kreditportfolio habe. Die "Ostsee-Zeitung" berichtete allerdings am Mittwoch von einer angespannten Situation des Kreditinstituts. Diese sei bedingt durch hohe Wertberichtigungen. Diese Darstellung wies Lastovka vehement zurück.

Der Oberbürgermeister gab ferner bekannt, dass die beiden bisherigen Vorstandsmitglieder Winfried Burke und Peter Stehr auf der gestrigen Verwaltungsratssitzung abgelöst wurden. Gründe für die Abberufung nannte er nicht. Nachfolger sollen Joachim Schneidewind und Manfred Baumann werden.

Lastovka räumte abschließend ein, dass er sich der möglichen historischen Dimension dieses in der deutschen Bankenlandschaft einmaligen Schrittes durchaus bewusst sei.

Das "Handelsblatt" hatte am Dienstag berichtet, die Deutsche Bank  sei an einer Übernahme der Sparkasse interessiert. Die Bank dementierte den Bericht. Es fänden keine Verhandlungen statt, die auf einen Erwerb der Sparkasse zielten, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank. Hingegen will der Ostdeutsche Sparkassen- und Giroverband (OSGV) von Gesprächen mit der Deutschen Bank erfahren haben. Dabei könne es um eine Zusammenarbeit bis hin zu einer Übernahme gehen, sagte ein OSGV-Sprecher.

Michael Klose, vwd