Finanzkonzerne 50 Milliarden Euro verbrannt

Das ertragreiche Geschäft mit den Unternehmenskunden schwächelt und setzt die deutschen Banken unter Zugzwang. Die internationalen Wettbewerber sind schneller.

Frankfurt - Im weltweiten Firmenkundengeschäft sind die Einnahmen und Gewinne der Banken in den Jahren 2001 und 2002 massiv eingebrochen. Nur jedes vierte Institut konnte über die Kapitalkosten hinaus Werte schaffen. Erst im Jahr 2007 wird wieder das Niveau des Jahres 2000 erreicht. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group (BCG).

Allein 2002 standen in diesem Geschäftsbereich den operativen Gewinnen von weltweit 24 Milliarden Euro Kapitalkosten von 74 Milliarden Euro gegenüber. Will heißen: 50 Milliarden Euro wurden im Firmenkundensegment verbrannt. Seit 2000 ist die Eigenkapitalrendite dort von zuvor 8,6 Prozent auf 5,3 Prozent gesunken.

In Europa verminderten sich die Einnahmen aus dem Geschäft mit Unternehmen zwischen dem Jahr 2000 und 2002 zwar nur um drei Prozent, dafür brach der operative Gewinn im gleichen Zeitraum um 32 Prozent ein. In Deutschland ging der Gewinn im selben Zeitraum lediglich um ein Prozent zurück, da die Verluste aus dem Investment- und Transaktionsbanking von höheren Margen im Finanzierungs- und Aktivgeschäft teilweise kompensiert werden konnten.

Als Gründe für das Desaster nannten die BCG-Analysten unter anderem strategische Fehler bei den Finanzkonzernen und ineffiziente Produkt- und Vertriebsplattformen. Walter Sinn, Geschäftsführer im Frankfurter BCG-Büro und Corporate-Banking-Experte, rechnet damit, dass die Anbieter ihre Geschäftsmodelle deutlich stärker fokussieren und differenzieren müssen.

Deutsche Banken haben hier trotz einer bereits eingeleiteten Neuausrichtung des Firmenkundengeschäfts im Vergleich zu führenden internationalen Wettbewerbern noch Nachholbedarf.

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