Deutsche Bank Marktredwitz II

Sündenfall oder Initialzündung? Die Deutsche Bank soll angeblich an einer Übernahme der Sparkasse Stralsund interessiert sein. Während aus Frankfurt ein Dementi kommt, lädt der Bürgermeister der Hansestadt am Mittwoch zur Pressekonferenz. Thema: Zukunft der dortigen Sparkasse.
Von Arne Stuhr

Hamburg - Frankfurt, München, Berlin, Brüssel - die Städte, in denen regelmäßig wichtige Entscheidungen für das deutsche Bankenwesen getroffen werden, haben durchweg klingende Namen. Wenn es aber um revolutionäre Umbrüche - das Aufbrechen des Drei-Säulen-Modells dürfte wohl dazugezählt werden - geht, bemüht die deutsche Finanzelite gern die tiefste Provinz.

Beispiel Marktredwitz: Vor vier Jahren war die fränkische Stadt im "Dreiländereck Bayern - Böhmen - Sachsen" das Synonym für mögliche Zusammenschlüsse von Sparkassen und Volksbanken. Die örtlichen Vertreter sowohl von der öffentlich-rechtlichen als auch der genossenschaftlichen Seite waren sich schon so gut wie einig über einen Zusammenschluss, bis sie dann doch von ihren Spitzenverbänden und der bayerischen Landesregierung zurück in die Reihen beordert wurden. Was blieb, waren zahlreiche Diplomarbeiten, in denen nicht nur die Granden der Bankbetriebswirtschaft zitiert wurden, sondern eben auch ein gewisser Edwin Bandel, seinerzeit Chef der Sparkasse Marktredwitz, die mittlerweile zur Sparkasse Fichtelgebirge fusioniert wurde.

WCM-Tochter als prominenter Insolvenzfall

Nun also Stralsund: Wie das "Handelsblatt" am Dienstag berichtet, soll die Deutsche Bank  die Hand gen Deutschlands Nordosten ausgestreckt haben, um die dortige Sparkasse Hansestadt Stralsund (160 Mitarbeiter, 7 Geschäftsstellen, 3 SB-Center) zu übernehmen. Es solle "hier offensichtlich ein Präzedenzfall geschaffen werden", zeigt sich der Ostdeutsche Sparkassen- und Giroverband (OSGV) sehr alarmiert, obwohl für eine Übernahme nach Zeitungsangaben eine Änderung des Sparkassengesetzes von Mecklenburg-Vorpommern nötig wäre.

Gegenüber manager-magazin.de sagte ein Sprecher der Deutschen Bank, dass sein Haus keine Gespräche führe und auch nicht an einer Übernahme interessiert sei. Auch der Sparkasse selbst sind keine Verhandlungen bekannt. Ein Sprecher des am Greifswalder Bodden gelegenen Stralsund verwies hingegen auf eine Pressekonferenz am Mittwoch, auf der Oberbürgermeister Harald Lastovka - ex officio Verwaltungsratsvorsitzender der Stadtsparkasse - sich zur Zukunft des Instituts äußern wolle.

Ob Lastovka wie einst der Franke Bandel akademische Würdigungen erfahren wird, ist also noch nicht klar. Vielleicht ist Stralsund (die Betonung liegt übrigens auf der ersten Silbe) aber auch schon für eine Revolution nicht mehr unbekannt genug, nachdem in der vergangenen Woche am dortigen Amtsgericht die WCM-Tochter Sirius einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt hatte.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.