Banken-Kongress Viel Glanz, wenig Tiefgang

Jedes Jahr im Herbst treffen sich Frankfurts Top-Banker beim European Banking Congress zum Stelldichein in der Alten Oper. Trotz der hochkarätigen Besetzung blieb das Schaulaufen der Finanzelite auch in seiner 13. Auflage hinter den Erwartungen zurück.
Von Arne Stuhr

Frankfurt am Main - Als Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller (59) in seiner Funktion als Leiter der Diskussionsrunde mit EZB-Präsident Jean-Claude Trichet (60) die Teilnehmer des diesjährigen European Banking Congress (EBC) am vergangenen Freitag dazu aufforderte, sich im Gedenken an die Opfer der Terroranschläge von Istanbul von ihren Plätzen zu erheben, war die Veranstaltung im Mozartsaal der Frankfurter Alten Oper zwar schon zu zwei Drittel gelaufen, die Schweigeminute - nicht zuletzt für die getöteten Kollegen der britischen HSBC - war dennoch ein bewegender Moment.

Wer sich da auf Bitten Müllers von den Plätzen erhob, durfte sich größtenteils getrost zur deutschen Crème de la Crème der deutschen Finanzbranche zählen. Allein die erste Reihe - unter anderem mit Rolf-E. Breuer (AR-Chef Deutsche Bank  und Bankenpräsident, 66), Hilmar Kopper (AR-Chef DaimlerChrysler , 68), Hans Tietmeyer (Ex-Bundesbankchef, 72), Karl-Otto Pöhl (Ex-Bundesbankchef, jetzt Sal.Oppenheim-Partner, 73), Ernst Welteke (Bundebankpräsident, 61) und Deutsche-Bank-Primus Josef Ackermann (55) bestückt - adelte den Kongress zur Topveranstaltung.

Inhaltlich konnte der Community-Event wie so oft in den vergangenen Jahren nicht überzeugen. "Ich bin hauptsächlich hier, um mich mit Geschäftspartnern zu treffen", nahm ein Teilnehmer in der Mittagspause gegenüber manager-magazin.de kein Blatt vor den Mund. So dachten offenbar einige Teilnehmer und stürmten trotz massiver Verteidungsversuche des Küchenpersonals das Buffet schon gut eine Viertelstunde vor Ende der zweiten Podiumsdiskussion.

Das Vorziehen der Mittagspause hing sicherlich auch mit dem enttäuschenden Verlauf der mit Spannung erwarteten Diskussion "Strategic Options in Banking" zusammen. Die im Programm angekündigten Rijkman Groenink (Chairman ABN Amro , 54) und Alessandro Profumo (CEO Unicredito Italiano , 46) waren erst gar nicht angereist, der als Moderator vorgesehene Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter (50) ließ sich erkrankt entschuldigen.

"Ich fürchte, eine US-Bank wird der Konsolidator sein"

Somit durfte sich der für Walter als Diskussionsleiter fungierende Ackermann, in diesem Jahr Chairman des EBC, statt mit internationalen Gästen ausschließlich mit gebürtigen Deutschen über den Umbau des Bankgeschäftes unterhalten. Angesicht der anhaltenden Fusionsgerüchte saßen vielleicht mit den für Groenink und Profumo eingesprungenen Martin Blessing (Vorstand Commerzbank , 40) und Horst Müller (Vorstand Dresdner Bank, Allianz , 65) sogar die aktuell interessanteren Herren am Tisch, Klartext sprachen sie aber nicht. Lediglich Hans-Jörg Rudloff (61), Chairman bei Barclays  in London, wurde konkret: "Ich fürchte, eine US-Bank wird der Konsolidator sein."

Eine Enttäuschung auf ganzer Linie waren in dieser Runde die beiden Berater Hans-Paul Bürkner (51) und Karl-Heinz Flöther. Bürkner - immerhin ab dem 1. Januar 2004 Weltchef der Boston Consulting Group - "glänzte" mit dem Tipp, dass man bei einer Strategie wissen müsse, was man wolle. Flöther, ehemals Deutschland-Statthalter und jetzt bei Accenture weltweit für das Beratungsgeschäft mit Banken und Versicherungen verantwortlich, machte vor allem für das Outsourcing Reklame. Vielleicht auch ein Wink Richtung Ackermann, nach der Personalverwaltung endlich auch den Einkauf der Deutschen Bank an die Kronberger abzugeben.

Ob dieser Deal im Rahmen des EBC verhandelt wurde ist eher unwahrscheinlich, nutzte Ackermann zudem doch die Gunst der Stunde, um sich zum Auftakt des Kongresses im Glanz - bei außenpolitischen Fragen ist das noch möglich - der Regierenden zu sonnen. Gewohnt souverän brillierte er im Gespräch mit Bundesaußenminister Joseph "Joschka" Fischer (55) und Italiens Vize-Premier Gianfranco Fini (51), zwei Männer deren politische Wurzeln nicht weiter auseinander liegen könnten. War Fischer doch von 1968 bis 1975 Mitglied der militanten Gruppe "Revolutionärer Kampf", während Fini in der faschistischen Jugendorganisation "Fronte della Gioventù" seine politische Karriere begann.

Deutlich verbesserte Stimmung

So genau wollte das an diesem Tag aber gar keiner wissen, und auch die durchaus deutlichen Aussagen von Fini über den Umgang mit China ("Den Chinesen fehlt der Respekt vor den Menschen") und von Fischer zum Stabilitätspakt ("Für eine Debatte über den Stabilitätspakt habe er zum jetzigen Zeitpunkt kein Verständnis") waren noch schneller vergessen als die Politiker nach ihren Statements den Kongress wieder verlassen konnten.

Positiv bleibt vom EBC anno 2003 festzuhalten, dass sich die Stimmung in der Frankfurter Finanz-Community nach diversen Tiefschlägen in den vergangenen Jahren wieder deutlich verbessert hat. Alle Akteure scheinen sich zumindest sicher zu sein, auch im nächsten Jahr wieder teilnehmen zu dürfen/müssen. Wetten, für welchen Arbeitgeber das sein wird, wurden aber nicht abgeschlossen.

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