EnBW Sparen beim WM-Sponsoring

Weil bei EnBW das Geld knapp wird, überdenkt der Energiekonzern offenbar sein Werbe-Engagement bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

Hamburg/Karlsruhe - Angesichts der angehäuften Milliardenverluste will sich der Energiekonzern EnBW  offenbar von seinem Sponsoring-Engagement bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 zurückziehen.

Der EnBW-Vorstand unter Konzernchef Utz Claassen prüft nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL, ob und zu welchen Konditionen ein Rückzug aus dem Vertrag über 12,9 Millionen Euro mit dem WM-Organisationskomitee (OK) möglich sei. "Wenn wir den Vertrag noch einmal vorgelegt bekämen, würden wir keine zehn Minuten darüber debattieren", sagte ein Manager des Konzerns.

Von Seiten des WM-Organisationskomitees hieß es, man habe keine Kenntnis von einem geplanten EnBW-Rückzug. "Die Verträge sind wasserdicht. Wir arbeiten auf operativer Ebene weiter eng zusammen", sagte OK-Pressesprecher Jens Grittner.

Beckenbauers Sponsoring-Notstand

Für die WM-Organisatoren um OK-Präsident Franz Beckenbauer wäre ein möglicher Ausstieg der EnBW ein herber Rückschlag. Statt der ursprünglich geplanten sechs nationalen Sponsoren haben die Turnierveranstalter bisher erst vier als Vertragspartner gewinnen können. Neben dem Energieversorger EnBW sind dies die Hamburg-Mannheimer (Versicherungen), Obi (Baumarkt) und die Postbank.

Die Suche nach nationalen Sponsoren gestaltet sich auch deswegen schwierig, weil diese nicht in Konkurrenz zu einem der 15 internationalen Sponsoren stehen dürfen. Nach Angaben des WM-OK könnten die zwei noch benötigten nationalen Sponsoren aus dem Bereich Pharma und Kopierer kommen.

Derweil hat EnBW-Chef Claassen wieder einen Gewinn angekündigt, nachdem der Fehlbetrag im laufenden Jahr bei einer Milliarde Euro liegen wird. Der gesamte Konzern soll 2004 wieder ein positives Ergebnis erreichen, sagte er in einem Interview der "Welt am Sonntag". Der Börsengang sei zwar auf unbestimmte Zeit verschoben worden, er bleibe aber "ein klar angestrebtes Ziel".

Zu der Unruhe in der Belegschaft wegen der angekündigten Sparmaßnahmen sagt er: "Ich kann die Leute verstehen, wenn sie sauer sind, dass sie jetzt ausbaden, was andere verursacht haben. Wenn man die Personalkosten um 350 Millionen Euro senken will, beunruhigt das selbstverständlich die Belegschaft." Damit teilte Claassen erneut gegen seinen Vorgänger Gerhard Goll aus.

"Intransparenz nicht mit Kriminalität verwechseln"

Kriminelle Machenschaften bei Goll, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Bilanzfälschung ermittelt, wollte Claassen indes nicht erkennen. "Wir haben keine Anhaltspunkte dafür, dass es seitens Herrn Goll zu strafbaren Handlungen gekommen ist", sagte er. "Intransparenz darf nicht mit kriminellen Machenschaften verwechselt werden."

Im Zuge der Konzentration auf den Energiebereich habe die EnBW AG von ihren 395 Unternehmen 151 definiert, die verkauft oder mit anderen EnBW-Unternehmen verschmolzen werden sollten. Den größten Posten stelle dabei Salamander dar, ein Gebilde aus 95 Unternehmen. Nach der Trennung von einem großen Teil der Schuhsparte vor einigen Monaten hatte Salamander am Freitag den Verkauf eines Teils des Industriegeschäfts mitgeteilt. Laut Claassen sei man bei den Verkaufsgesprächen für den Parkhausbetreiber Apcoa schon sehr weit.

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