IG Farben Aktionäre gegen UBS

Die Aktionäre der IG Farben wollen einem Pressebericht zufolge aus der Insolvenz noch Kapital schlagen. Geplant ist eine Klage gegen die Schweizer Großbank UBS.

Hamburg -Anfang der vergangenen Woche meldete die IG Farben Insolvenz an. Wie der SPIEGEL berichtet, wollen die Aktionäre des Restkonzerns auch nach der Insolvenz noch Kapital aus ihren Anteilen schlagen.

Aus diesem Grund bereiten sie über die bereits gegründete Zwangsarbeiter-Stiftung des ehemals weltgrößten Chemiekonzerns in den USA eine Klage gegen die Schweizer Großbank UBS vor. Das bestätigte der bis zur Insolvenz amtierende Liquidator der IG Farbenindustrie AG in Abwicklung, Otto Bernhardt, dem SPIEGEL.

Bernhardt, der auch Vorstand der Stiftung ist, fordere von der UBS eine Entschädigung von rund 2,2 Milliarden Euro, weil sich das Institut 1959 die Schweizer Interhandel AG einverleibt habe. Diese sei aber nach Auffassung der IG-Farben-Aktionäre eine Tochter ihres Unternehmens gewesen.

Die Stiftungsvorstände planen dem Magazin zufolge die Gründung einer Tochterstiftung in den USA, an deren Spitze honorige US-Bürger stehen sollten. Diese Tochterstiftung solle voraussichtlich Mitte nächsten Jahres die Klage einreichen. Gespräche mit Anwälten liefen bereits. Falls die Klage Erfolg haben sollte, werden die Erlöse Bernhardt zufolge zwischen den Aktionären, den Anwälten und den ehemaligen Zwangsarbeitern in etwa gedrittelt.

Besonderes Spekulationsobjekt

Die IG Farben ist wie kein anderes Unternehmen zum Symbol für die Verstrickung der Wirtschaft in die Vernichtungspolitik der Nazis geworden. Der Chemiekonzern produzierte während des zweiten Weltkriegs über die Tochter Degesch das Giftgas Zyklon B, das zur Ermordung von Menschen in den Konzentrationslagern eingesetzt wurde. Das Unternehmen entstand 1925 aus einem Zusammenschluss der deutschen Großchemie.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Konglomerat von den Alliierten zerschlagen. Die Papiere der Abwicklungsgesellschaft hatten sich indes seit zwei Jahrzehnten zum besonderen Spekulationsobjekt entwickelt, da die Gesellschaft Rechtsansprüche auf enteignete Vermögen hielten.

Otto Graf Lambsdorff, der im Auftrag der Bundesregierung für die Zwangsarbeiterstiftung Gelder in der Industrie gesammelt hatte, betonte in der vergangenen Woche bereits, dass die IG-Farben-Nachfolger (BASF, Bayer, Hoechst) gezahlt hätten. Die "IG Farben in Abwicklung" sei allenfalls noch ein Spekulationspapier gewesen, die Pleite habe keine Auswirkungen auf die Stiftung.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.