Telekom-PSA 10.000 sitzen zu Hause und warten

Die Telekom-Personalagentur Vivento hat in diesem Jahr weniger Arbeitnehmer an andere Firmen vermittelt als geplant. Konzernchef Ricke beziffert das Einsparvolumen dennoch auf 600 Millionen Euro.

Bonn - Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom , Kai-Uwe Ricke, sagte bei der Vorlage der Bilanz für das dritte Quartal 2003: "Angesichts der negativen Rahmenbedingungen müssen wir unsere Erwartung für das Gesamtjahr von bislang rund 5000 Vermittlungen auf eine Größenordnung von etwa 3000 zurücknehmen." Der Konzernchef räumte ein, dass derzeit etwa 10.000 der abgeschobenen Beschäftigten nicht vermittelt oder in Zeitarbeit verwendet werden können, sondern zu Hause sitzen und nichts tun.

Bis Ende September seien knapp 12.000 Beschäftigte in die Agentur transferiert worden. Diese Zahl soll bis Jahresende auf 17.000 bis 18.000 ansteigen. Über Vivento sollen die betroffenen Mitarbeiter vor allem an andere Firmen vermittelt werden. Das ist bisher nach Rickes Angaben nur in einem kleinen Teil der Fälle geschehen. Etwa 3300 Beschäftigte seien als Zeitarbeitskräfte innerhalb und außerhalb der Telekom tätig, weitere 2000 hätten Vivento dauerhaft verlassen. Der Transfer in die hauseigene Personalserviceagentur (PSA) hat dem Konzern nach Rickes Angaben Personalkosten in Höhe von rund 600 Millionen Euro erspart.

Auffanglösung für den Betriebsfrieden

Die Telekom hatte sich seinerzeit für die Einrichtung einer PSA entschieden, um die bei betriebsbedingten Kündigungen vorgeschriebene Sozialauswahl zu umgehen. Paul Kötters von der Personalberatung Kienbaum sagt:" Dann verliert ein Unternehmen in der Regel vor allem junge, dynamische Mitarbeiter, die es eigentlich behalten will." Wer mit dem Betriebsrat eine PSA-Lösung vereinbart, hat bei der Auswahl hingegen mehr Spielraum. Zudem sei eine Auffanglösung gut für den Betriebsfrieden - in den meisten deutschen Großkonzernen sind betriebsbedingte Entlassungen immer noch undenkbar. Dass der Erfolg solcher Agenturen zum Teil mäßig ist, liegt wohl auch daran, dass der Mitarbeiterpool - wie ein Telekom-Manager vor einiger Zeit im "Handelsblatt" höhnte - eine Deponie für "die Lahmen und Schwachen" sei.

Ricke will außerdem die Zahl der noch fast 250.000 Telekom-Mitarbeiter weiter verringern. Betroffen sind davon vor allem die rund 175.000 Beschäftigten im Inland. "Wir haben zu viele Mitarbeiter an Bord", sagte der Telekom-Chef. Trotz der Rückkehr in die schwarzen Zahlen sollen auch die Personalkosten weiter massiv gesenkt werden. Unter anderem will Ricke mit den Gewerkschaften über einen Lohnverzicht verhandeln. Für etwa 100.000 Beschäftigte sollen Einkommen und Arbeitszeit gleichermaßen um zehn Prozent gesenkt werden.

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