Banken Der Geist ist aus der Flasche

In Deutschland sorgte der jüngste IWF-Report zum Finanzplatz Deutschland in der vergangenen Woche für ein geteiltes Echo. Für die Analysten von Merrill Lynch ist hingegen klar, dass jetzt das Ende des Drei-Säulen-Systems naht.

London/Hamburg - Als der Internationale Währungsfonds (IWF) in der vergangenen Woche im Rahmen einer Studie vehement forderte, dass Deutschland endlich sein Bankensystem reformieren müsse, war das Echo hierzulande groß.

Der IWF habe die "seit langem erhobene Forderung nach einer Entkrustung des deutschen Bankenmarktes" bestätigt, sagte Manfred Weber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), in Berlin. Politik und Bundesbank seien nun gefordert, die Schwachpunkte des deutschen Systems zu beseitigen.

Widerspruch kam dagegen von den Sparkassenverbänden und dem Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB). Sie wiesen die Forderungen des IWF als "unverständlich und gefährlich" zurück. Gerade sie und die Genossenschaftsbanken stellten die Finanzierung von kleineren Unternehmen sowie die Kreditversorgung in regionalen Märkten sicher.

Der IWF-Report wirkt wie ein Katalysator

Für die Analysten von Merrill Lynch  kam die Reaktion der öffentlich-rechtlichen Banker auf den IWF-Report nicht überraschend. In einer am Dienstag veröffentlichten Studie "German Banks - The Genie Is Out of the Bottle" bewerten sie aber als positives Signal, dass ihnen diesmal nicht wie zuvor beim Streit der Europäischen Union mit den Landesbanken die Politiker zur Seite gesprungen sind.

So hätten sowohl Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser als auch Bundesbanker Edgar Meister teilweise den Kritikpunkten des IWF zugestimmt. Nicht zuletzt darauf setzen die Merrill-Lynch-Experten Stuart Graham und Neil McDermid ihre Hoffung, dass jetzt endlich Bewegung in den Umbau des deutschen Drei-Säulen-Modells kommt. Der IWF-Report wirke wie ein Katalysator.

Erhöhter ROE lockt ausländischen Banken an

Von der Beschleunigung im Reformprozess könnten ihrer Meinung nach jetzt schon die drei börsennotierten Großbanken Deutsche Bank , HypoVereinsbank  und Commerzbank  profitieren, da das Aufbrechen der alten Strukturen endlich marktgerechte Preis für Finanzdienstleistungen in Deutschland in Aussicht stelle.

Diese Veränderungen würden aber nur sehr langsam in Fahrt kommen, da die Sparkassen und Genossenschaftsbanken nach wie vor starke Verbündete in der Lokalpolitik hätten. In ein bis zwei Jahren müssten laut Graham und McDermid aber bereits erste Fortschritte erkennbar sein.

Durch diese verbesserten Aussichten beim ROE der Großbanken könnten ihrer Meinung nach internationale Player wie zum Beispiel die Credit Suisse  ermuntert werden, ihr bereits geäußertes Interesse an einer Übernahme in Deutschland zu konkretisieren. Damit aufkommende Ängste bei deutschen Bankern könnten wiederum die eigentlich gefürchtete Konsolidierung beschleunigen. Wie gesagt: Der Geist ist aus der Flasche.

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