Deutsche Bahn Bahnvorstand wirft Journalisten Nazi-Methoden vor

Die Vergleiche mit der unsäglichen Nazi-Zeit häufen sich. Nun greift auch Bahnvorstand Diethelm Sack daneben: Wegen kritischer Artikel in "Capital", "Wirtschaftswoche" und "manager magazin" warf er in einem offenen Brief an die Bahn-Mitarbeiter den Journalisten Methoden wie im Dritten Reich vor.

Berlin - "Mit journalistischen Methoden der dreißiger Jahre werden dem Vorstand zweifelhafte oder gar kriminelle Handlungen angedichtet", heißt es in seinem Schreiben, dass am 4. November im Intranet des Unternehmens mit der persönlichen Unterschrift Sacks zu lesen war.

Offen fragt Sack, ob "in manchen Redaktionsstuben jetzt die Hetze als Ersatz für sachliche Argumente" gelte. Redakteure sind für ihn allenfalls "so genannte Journalisten", denen die "professionelle und menschliche Qualifikation fehlt."

Anlass für seinen Wutausbruch waren einige kritische Berichte der Wirtschaftspresse über die Bilanzpolitik und das Controlling der Bahn. Mit ihren Artikeln, schreibt Sack, würden die Magazine "Capital", "manager magazin"  und "Wirtschaftswoche" Rufmord betreiben.

Als Beispiel führt der Bahn-Manager den Artikel von "Capital" an, in dem das Risikomanagement der Bahn als gesetzeswidrig kritisiert wird. Eine Beratungsgesellschaft habe dies auch angeprangert und dem Aufsichtsrat der Bahn mitgeteilt, schreibt der Capital-Autor. "Alles gelogen", versichert dagegen Finanzchef Sack seinen Mitarbeitern.

Nach Aussage eines Bahn-Sprechers handelt es sich bei dem Brief allerdings um eine "unautorisierte Fassung", die nur vorübergehend im Intranet der Deutschen Bahn zu lesen gewesen sei. Seit gestern ist dort eine neue Version zu lesen, in der die Anspielungen auf das Dritte Reich getilgt sind.

Sack ist seit 1994 Finanzvorstand der Bahn. Von der Presse hat der sonst sehr verschwiegene Vorstand in all den Jahr nichts gehalten, wie er nun offen zugibt. "Unser Unternehmen wurde noch nie in den Medien objektiv behandelt", schreibt er an seine Mitarbeiter.

Capital-Chefredakteur Kai Stepp will sich von den Vorwürfen nicht beirren lassen: "Investigativer Journalismus löst in Unternehmen zunehmend emotionale Reaktionen aus." Das werde seine Redaktion aber nicht davon abhalten, weiter kritisch zu recherchieren und Fakten aufzudecken, meinte Stepp gegenüber manager-magazin.de.

Für Arno Balzer, Chefredakteur des manager magazins, sind die Vorwürfe schlicht "absurd". Seine Redaktion habe professionell gearbeitet und der Bahn alle Gelegenheit gegeben, mit den Redakteuren zu sprechen. "Ich kann mich nur wundern, dass ein solcher Stil bei einem Vorstand der Deutschen Bahn möglich ist. Ich weise den Vorwurf entschieden zurück," sagte Balzer.

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