Beiersdorf Claussen als Zünglein an der Waage

Ob Beiersdorf hanseatisch bleibt oder amerikanisch wird, hängt stark vom Votum der Gründerfamilie ab. Deren Sprecher Carl Albrecht Claussen dementiert, dass sich einige Erben bereits gegen die Hamburger Lösung entschieden haben.

Hamburg/Düsseldorf - Der Verkauf der Beiersdorf-Beteiligung des Allianz-Konzerns  stößt offenbar auf Probleme.

Mehrere Zeitungen berichteten am Mittwoch, die Tchibo Holding müsse möglicherweise zu dem Aktienpaket in Höhe von 43,6 Prozent weitere Anteile an dem Hamburger Kosmetikkonzern aus dem Besitz der Gründerfamilie Claussen im Wert von 500 Millionen Euro übernehmen. Die Allianz habe dabei entgegen Medienberichten offenbar kein Vorkaufsrecht für den insgesamt zehnprozentigen Anteil der Familie Claussen, berichtet "vwd".

Teile der Familie beabsichtigten, ihre Anteile zu veräußern und setzten damit das Tchibo-Konsortium finanziell unter Druck. Das Bündnis habe große Mühe, das zusätzliche Geld aufzubringen, zitiert die "Financial Times Deutschland" einen Insider. Die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) meldet unter Berufung auf Branchenkreise, die vier Stämme der Gründerfamilie Claussen können sich nicht auf eine einheitliche Linie einigen.

Verkauft Tchibo sein Beiersdorf-Paket?

Einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge steht die Beiersdorf-Gründerfamilie dagegen noch hinter der geplanten Übernahme durch den Kaffeeröster Tchibo. Carl Albrecht Claussen als Sprecher der Familie habe gesagt, diese stehe nach wie vor hinter einer Lösung, die Beiersdorf die Unabhängigkeit sichere. Dies scheine derzeit eher mit dem Konsortium möglich zu sein.

Nach Informationen der "SZ" will auch der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble in den nächsten Tagen ein Angebot für die Allianz-Beteiligung an Beiersdorf abgeben.

Am Dienstag hatte es noch geheißen, das Tchibo-Konsortium werde sich möglicherweise in Kürze mit dem Münchener Versicherungskonzern auf einen Verkaufspreis in der Größenordnung von 125 bis 130 Euro je Beiersdorf-Aktie einigen. Unterdessen spekuliert das Magazin "Focus-Money", Tchibo werde seine Beiersdorf-Beteiligung nicht aufstocken, sondern die bereits in ihrem Besitz befindlichen 31 Prozent verkaufen.

Das "Hamburger Abendblatt" meldet, die Allianz sei bereit, lediglich 40 Prozent ihrer Beiersdorf-Aktien zu veräußern und die restlichen vier Prozent weiter zu halten. Für je zehn Prozent ständen Tchibo und Beiersdorf selbst (durch einen genehmigten Aktienrückkauf) als Käufer zur Verfügung. Die andere Hälfte des Allianz-Pakets will nach Angaben der Lokalzeitung der Beiersdorf-Pensionsfonds erwerben.

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