DaimlerChrysler "Zustände wie in der Planwirtschaft"

Vorstandschef Jürgen Schrempp kritisiert im Interview mit manager magazin das Verfahren gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Es sei "extrem problematisch", wenn Gerichte Entscheidungen von Aufsichtsräten infrage stellen.

Hamburg - DaimlerChrysler-Lenker Jürgen E. Schrempp hat das bevorstehende Strafverfahren gegen Deutsche-Bank-Vormann Josef Ackermann kritisiert. "Ich halte es für extrem problematisch, wenn ein Gericht Entscheidungen des Aufsichtsrats infrage stellt", sagte Schrempp in einem Interview mit manager magazin, das am Freitag (24. Oktober) erscheint.

"Wenn Staatsanwälte und Strafgerichte künftig über Vorstandsbezüge zu entscheiden haben, hätten wir Zustände wie in der Planwirtschaft", so Schrempp weiter.

Dass sich viele seiner Kollegen zu für die Wirtschaft kritischen Fragen nicht öffentlich äußern, liege häufig auch am mangelnden Kampfgeist deutscher Manager, kritisierte Schrempp. "Die Bereitschaft und der Mut, trotz öffentlicher Kritik am eigenen Kurs festzuhalten und zu seinen Entscheidungen zu stehen, sind bei uns manchmal zu wenig ausgeprägt."

Mehrjährige Haftstrafen de jure möglich

Das Landgericht Düsseldorf hatte die Anklage gegen den Deutsche-Bank-Chef Ackermann und fünf weitere Beteiligte wegen des Verdachts der Untreue beziehungsweise Beihilfe zur Untreue zugelassen.

Bei dem Prozess, der im Januar 2004 beginnen soll, geht es um Millionenabfindungen im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone  Anfang 2000, denen Ackermann als Mannesmann-Aufsichtsratsmitglied zugestimmt hatte. Den Angeklagten droht im Falle einer Verurteilung eine mehrjährige Haft.

Die Deutsche Bank  ist mit rund zwölf Prozent größter Aktionär von DaimlerChrysler , dem umsatzstärksten deutschen Unternehmen.

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