Korruption Bestechung bleibt Teil des Wirtschaftslebens

Die skandinavischen Länder sind laut des jüngsten Berichts von Transparency International am wenigsten korrupt. Deutschland kann sich im Bestechlichkeits-Ranking leicht verbessern.

London/Frankfurt - Mehr als die Hälfte aller Entwicklungsländer der Welt werden laut eines Berichts der Organisation Transparency International (TI) als "höchst korrupt" eingestuft. Die unabhängige Behörde zur Überwachung von Korruption legt ihrem jährlichen Bericht unter anderem die Einschätzung von Geschäftsleuten, Akademikern und Risikoexperten zu Grunde.

Nach ihrem Urteil wird Finnland unter den 133 untersuchten Staaten als das am wenigsten korrupte Land empfunden. Darauf folgen Island, Dänemark, Schweden und Singapur. Polen gilt danach unter den zehn EU-Beitrittskandidaten als das korrupteste Land. Zypern wird in dieser Gruppe als am wenigsten korrupt eingestuft.

Bangladesch steht nach dem Bericht an der Spitze der korruptesten Länder der Welt. Es folgen Nigeria, Haiti, Paraguay und Myanmar. Unter den ersten zehn der korruptesten Staaten finden sich auch die früheren Sowjetrepubliken Tadschikistan, Georgien und Aserbaidschan und die beiden afrikanischen Staaten Kamerun und Angola. In Ölförderländern, darunter auch Libyen, Irak und Venezuela sei das Ausmaß der Korruption "beängstigend hoch."

Der Vorsitzende von Transparency International, Peter Eigen, rief in London insbesondere die Regierungen der Entwicklungsländer auf, gezielte Anti-Korruptionsprogramme einzuführen. "Reiche" Länder müssten dabei den Ländern "praktische Unterstützung" geben, die zur Bekämpfung der Korruption bereit sind.

Deutschland jetzt auf Rang 16

Mit Befriedigung stellte der Vorsitzende von TI-Deutschland, Hansjörg Elshorst, anlässlich der Veröffentlichung des neuen Korruptionsindex fest, dass sich die Position von Deutschland leicht verbessert hat. Deutschland war im Jahre 2001 von ehemals Platz 14 auf Platz 20 abgesackt.

Im nunmehr vorliegenden Index hat Deutschland sich wieder auf Rang 16 vorgearbeitet. Die Bewertung, ob Korruption in Deutschland zu- oder abnimmt, sei aber auch unter Fachleuten strittig. "Wahrscheinlich gilt beides, nur in unterschiedlichen Feldern", sagte Elshorst in Frankfurt.

Als Erfolg seiner Organisation wertete Elshorst, dass bei Auslandsgeschäften gezahlte Schmiergelder in Deutschland nicht mehr steuerabzugsfähig seien. Außerdem sei Korruption teurer und riskanter geworden. Wichtiger noch: sie führe zu Skandalen, die den Ruf der Firmen massiv gefährdeten. Korruptionsbekämpfung gehöre in gut geführten Unternehmen inzwischen zum Risikomanagement.

"Bausektor, Müllbranche und Gesundheitswesen sind besonders betroffen"

Die Angst in den Behörden ist gewachsen

Auch bei den Behörden sei die Sensibilität für das Thema Korruption deutlich gestiegen. Die Beamten und Angestellten würden inzwischen Beispiele von Kollegen kennen, deren gesamte Existenz wegen oft kleiner Vorteile ruiniert wurde. Die konsequentere Strafverfolgung zeige also Wirkung.

Gegenüber manager-magazin.de lobte Elshorst die von der Bundesregierung angestrebte Einführung eines Zentralregisters zur Erfassung korrupter Firmen und das geplante Informationsgesetz. Er mahnte aber an, beide Projekte möglichst schnell voranzutreiben.

"Die Bereitschaft zu bestechen nimmt zu"

Nach Einschätzung des Frankfurter Oberstaatsanwaltes für Wirtschaftskriminalität, Wolfgang Schaupensteiner, nimmt in Deutschland - trotz der besseren Platzierung Deutschlands im TI-Ranking - die Korruption weiter rasant zu. In der "Wirtschaftswoche" bezeichnete Schaupensteiner, der als einer der schärfsten Ermittler gegen die Korruption gilt, die Lage sogar als dramatisch: "Nach meinen Erfahrungen in Frankfurt nimmt die Bereitschaft der Unternehmen zu bestechen, um an öffentliche Aufträge zu kommen, weiter kräftig zu, und genauso bei den Amtsträgern in der Verwaltung die Bereitschaft, sich korrumpieren zu lassen."

Die jüngste Verbesserung Deutschlands auf Rang 16 ist für Schaupensteiner kein Indiz einer Besserung. "Das ist lediglich ein minimaler Pendelausschlag. Leider ist Deutschland sowohl bei der Prävention als auch bei der Verfolgung von Korruptionsfällen im internationalen Vergleich rückständig."

Schaupensteiner sagte weiter: "Die Verantwortlichen leugnen, dass Korruption zum selbstverständlichen Teil unseres Wirtschaftslebens geworden ist." Neben dem Bausektor und der Müllbranche sei insbesondere das Gesundheitswesen betroffen.

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