WestLB Vorstand beendet Tui-Spekulationen

Die wegen riskanter Finanzierungsgeschäfte unter Druck geratene WestLB wird 2003 mit einem Verlust abschließen, sagt Vorstandschef Ringel. Das Tui-Paket wird in diesem Jahr nicht mehr verkauft.

Frankfurt - "Dieses Jahr nicht mehr", sagte Johannes Ringel in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" auf die Frage, ob die WestLB ihren 31-prozentigen Anteil an Europas größtem Touristikkonzern noch 2003 verkaufen werde. "Wir stehen nicht unter Zeitdruck und verkaufen nur zu einem Preis, der uns Freude macht", fügte Ringel hinzu. Zudem müsse der Käufer die Tui  strategisch weiterbringen.

Bereits im Juli hatte die WestLB, bisher wichtigster Eigner bei Tui, angekündigt, sich mittelfristig von ihrem Tui-Paket trennen zu wollen. Seither kursieren in den Medien und in Finanzkreisen zahllose Spekulationen über potenzielle Investoren, was den Aktien des Reisekonzerns deutlichen Auftrieb gegeben hat.

Verlust in 2003 - Risikiovorsorge steigt

Die WestLB hatte eine strategische Prüfung ihrer Geschäftsbereiche beschlossen, nachdem die Bank 2002 wegen hoher Verluste bei Auslandsengagements einen Verlust von 1,7 Milliarden Euro verbucht hatte. Wegen der erheblichen Abschreibungen war im ersten Halbjahr 2003 noch ein Minus vor Steuern von 359 Millionen Euro angefallen, für das Gesamtjahr geht die WestLB ebenfalls von einem Verlust aus.

Ringel bekräftigte in dem Zeitungsinterview, in diesem Jahr reinen Tisch machen und alle bilanziellen Risiken klären zu wollen. "Absehbar ist schon jetzt, dass wir das laufende Geschäftsjahr mit einem Verlust abschließen werden, danach soll die Bilanz bereinigt sein", sagte er. Die Risikovorsorge werde im zweiten Halbjahr vorsichtshalber noch einmal angehoben, die exakte Höhe lasse sich aber erst zum Jahresende angeben.

"Panmure spielt keine Rolle mehr"

Mitte der Woche hatte die WestLB bereits mitgeteilt, ihren Sparkurs zu verschärfen. Neue Einsparungen, die Streichung von weiteren 900 Stellen und Beteiligungsverkäufe sollen die Wettbewerbsfähigkeit der WestLB bis zum Wegfall der staatlichen Garantien für öffentliche Banken im Jahr 2005 sicherstellen.

Neben dem Tui-Anteil stünden auch zehn Prozent an dem Energiekonzern RWE  und vier Prozent an der HypoVereinsbank  zur Disposition, sagte Ringel der Zeitung. "Panmure spielt in unseren Überlegungen keine große Rolle mehr", antwortete er auf die Frage nach einem Verkauf der britischen Tochter. Reuters hatte am Mittwoch aus Branchenkreisen erfahren, dass ein Verkauf der Londoner Bank Panmure erwägt werde.

Spekulationen um Tui reißen nicht ab

Vor allem stehe aber das Tui-Paket zum Verkauf, sagte Ringel. Ob die Bank durch den Verkauf auf einen Schlag saniert werde, komme auf die Höhe des Preises an. Seit der Ankündigung der WestLB, ihren Anteil an dem Touristikkonzern verkaufen zu wollen, überschlagen sich die Gerüchte über mögliche Käufer und auch Dementis in Serie konnten dies bislang nicht stoppen.

Jüngst war unter anderem von einem Management-Buy-Out durch die Tui-Führung die Rede. Über einen Einstieg des ehemaligen Tchibo-Aktionärs Günter Herz wurde ebenfalls spekuliert. Nach tagelangen Berichten wies dieser das aber entschieden zurück.

Pofiteur der brodelnden Gerüchteküche war die von der Reiseflaute schwer getroffene Tui-Aktie. Dennoch scheint der Kurs des Papiers von derzeit über 16 Euro für einen Verkauf nicht attraktiv genug. Der Reisekonzern und die Bank hatten stets beteuert, der Verkauf des WestLB-Anteils an Tui müsse keineswegs schnell über die Bühne gehen.

Robin Saunders bleibt

Wie Ringel weiter erklärte, wird Robin Saunders die Leiterin des umstrittenen Projektfinanzierers Principal Finance bleiben. "Es macht Sinn, wenn Frau Saunders bleibt. Denn mit ihr erhöhen wir den Wert unserer Principal-Finance-Einheit", erklärte der WestLB-Chef.

Auf die Frage, wie die WestLB ihren Eigentümern vermitteln wolle, dass die Verantwortliche für den Skandal um das britische TV-Leasing-Unternehmen Boxclever bleibe, sagte der Bank-Chef: "Ich möchte nicht in Details gehen. Aber seien Sie versichert: Der Fall Boxclever ist erledigt. Das BaFin hat in seinem zweiten Prüfbericht bestätigt, dass wir ausreichend Risikovorsorge getroffen haben."

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