Deutsche Bahn Kippt Mehdorn aus der Spur?

Aufsichtsrats-Vize Hansen möchte Bahnchef Mehdorn am liebsten ausrangieren. Er wirft ihm Bilanzmanipulation vor. Auch aus der Politik hagelt es Kritik. Für das Bahnoberhaupt ist das alles "Quatsch" und "Schlechtrederei".

Berlin - Der stellvertretende Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn, Norbert Hansen, hat Vorstandschef Hartmut Mehdorn scharf kritisiert und seinen Rücktritt ins Gespräch gebracht.

"Mehdorn hat die Bilanz auf unseriöse Weise schöngerechnet. Wenn der Vorstand das dieses Jahr wieder tut, dann muss es personelle Konsequenzen geben", sagte Hansen der "Bild am Sonntag". "Der Fisch stinkt vom Kopf her", betonte der Aufsichtsrat, der auch Chef der Eisenbahnergewerkschaft Transnet ist.

Es dürfe keine unrealistische Entwicklungsstory aufgebaut werden, um einen Börsengang zu ermöglichen. Mehdorn hatte zuvor Vorwürfe zurückgewiesen, bei den Finanzplanungen Fehler gemacht zu haben.

"Mehdorn frisiert die Bilanz auf Biegen und Brechen"

Auch aus der Politik bezog der Bahnchef Hiebe. Der Grünen-Verkehrsexperte Albert Schmidt erhob ähnliche Vorwürfe wie Hansen: "Mehdorn frisiert auf Biegen und Brechen die Bilanz auf Börsentauglichkeit. Im Bundestag wird der Börsengang der Bahn so keine Chance haben."

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums wies die Vorwürfe zurück. Es gebe keine Hinweise auf geschönte Bilanzen. "Die Personalfrage stellt sich nicht", sagte er.

Bahn will trotz allem 2004 schwarze Zahlen schreiben

Die Bahn will trotz großer Problemen im Fernverkehr im nächsten Jahr schwarze Zahlen schreiben und 2005 kapitalmarktfähig sein. Da sie auch bis 2007 laut Unternehmenskreisen mit sechs Milliarden Euro weniger Bundeszuschüssen als geplant rechnet, will sie massiv bei Investitionen sparen.

Mehdorn hatte am Sonnabend in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters Vorwürfe zurückgewiesen, er habe große Fehler bei der Finanzplanung des Unternehmens zugegeben. Die sei "Quatsch" und "Schlechtrederei", sagte Mehdorn.

Derzeit verhandeln Bahn und Verkehrsministerium über die künftigen Zuschüsse. In der SPD wurde Mehdorn vorgehalten, die Lage der Bahn zu lange schön gerechnet zu haben. Die SPD-Bahn-Expertin Karin Rehbock-Zureich sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag", die Stimmung in der Fraktion sei gegenüber Mehdorn sei nicht sehr freundlich. "Die Bahn muss jetzt selber sparen, aber nicht bei den Investitionen."

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