Bayer Viagra war gestern

Das neue Potenz-Präparat Levitra aus Leverkusen hat bei den US-Neuverschreibungen blitzschnell die Hälfte des Marktes erobert. Doch die Erfolgsstory des Blockbusters könnte ins Stocken kommen - ein dritter Viagra-Konkurrent drängt auf den heißen Markt.

New York - GlaxoSmithKline und Bayer , die das neue Libido-Elixier Levitra in den USA verkaufen, haben bei der Werbung für ihr Medikament ein Tabu gebrochen: Anders als die Viagra-Anzeigen des Pharma-Riesen Pfizer zielen ihre Spots laut "New York Times" nicht nur auf Menschen, die tatsächlich unter einer erektilen Dysfunktion leiden.

Levitra solle auch im medizinischen Sinne gesunde Männer ansprechen, die eine "erfolgreiche sexuelle Beziehung" unterhielten und lediglich die "Qualität oder Dauerhaftigkeit ihrer Erektionen" verbessern wollten, so die Zeitung.

Viagra kam 1998 auf den Markt. Der Konzern engagierte seinerzeit den in den USA als besonders vertrauenswürdig geltenden republikanischen Politiker Bob Dole als Werbefigur. Offizielle Linie des Konzerns war damals, dass Viagra ein Medikament sei - man wolle gesunde Männer nicht dazu bewegen, die Pille zum Spaß zu nehmen.

Vom Medikament für Bedürftige zur Lifestyle-Pille

Grund für diese Haltung mag das hohe Verantwortungsbewusstsein Pfizers gewesen sein - oder auch die Tatsache, dass der Gesetzgeber erst kurz zuvor die strikten Regelungen für Arzneimittelwerbung gelockert hatte und der Konzern sich nicht zu weit vorwagen wollte. Tatsächlich ist Viagra inzwischen zu einer Lifestyle-Pille geworden und der Konzern verdient gut an dieser Entwicklung.

Levitras Kampagne verzichtet hingegen von vornherein darauf, das heikle Thema vorsichtig anzupacken: In wenig subtiler Symbolik müht sich im Werbespot ein junger Mann, einen Football durch einen Reifen zu werfen. Nachdem Levitra ins Spiel kommt, versenkt der junge Held das Spielzeug wieder und wieder - eine attraktive Frau sieht ihm dabei bewundernd zu.

Die unterschiedlichen Kampagnen haben den beiden Produkten unterschiedliche Images beschert: Während Viagra dann funktioniert, wenn Penetration und Ejakulation Genüge getan ist, haben die Verkäufer von Levitra mehr das weiter gefasste Mannesglück im Visier: "Wir haben viel geforscht, um zu verstehen, was Männer wollen", behauptet Nancy Bryan, Vizepräsidentin von Bayer, gegenüber der "New York Times". "Was sie wollen, ist die Qualität ihrer Erektionen zu verbessern, damit sie eine bekommen, die hart genug ist und lang genug dauert für eine befriedigende sexuelle Erfahrung."

Statt vier bald 36 Stunden geballte Manneskraft

Die Homepage von Levitra gibt weitere Hinweise zum Thema sexuelle Performance: Dort hat man dem Begriff die schöne Abkürzung EQ gegeben - für "erection quality". Obwohl Viagra im Prinzip das Gleiche verspricht wie die Konkurrenz, kommt die Werbung von Levitra samt Männerversteher-Tour offenbar besser an: Levitra habe bis Donnerstag den ersten Platz bei Neuverschreibungen in seinem Segment erobert, fand der Pharma-Marktforscher ImpactRx heraus.

Dabei wurde der Senkrechtstarter erst vor wenigen Wochen eingeführt. Eine Pfizer-Sprecherin sagte der "NYT", eigenen Erhebungen zufolge dominiere Viagra weiter das Geschäft.

In wenigen Monaten könnte dem Blatt zufolge ein weiterer Wettbewerber auf den Markt drängen: Cialis von Eli Lilly, das gerade noch von den zuständigen Behörden geprüft wird. Während Viagra und Levitra vier bis fünf Stunden wirken, verspricht das neue Präparat 36 Stunden geballte Manneskraft.

Roman Pletter

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