Auto-Rabatte Quelle will Neuwagen-Angebot ausbauen

Eine Wut-Welle löste Quelle mit seinem 90-Prozent-Preis für den neuen Golf V bei Volkswagen aus. "Rechtlich sind wir nicht angreifbar", antwortet das Versandhaus und kündigt weitere Rabattaktionen für Neuwagen an – dann werden auch andere Hersteller ins Sortiment genommen.
Von Christian Buchholz

Hamburg/Fürth - Zehn Prozent Rabatt auf den neuen Golf V - der Abschlag, den das Versandhaus via Internet für Neuwagenkäufer bietet, ärgert den Produzenten mächtig.

Die VW-Händlervereinigung jammert schon, dass ihre Kunden für die zwei bei Quelle angebotenen Modelle (eine Benzin- und eine Diesel-Variante in Trendline-Ausstattung) nie und nimmer den Listenpreis zahlen würden. Und aus der Konzernzentrale in Wolfsburg  werden Quelle (KarstadtQuelle ) "unseriöse Geschäftspraktiken" vorgeworfen.

Sind zehn Prozent Rabatt den Aufschrei wert? In der Praxis erwarten viele Neuwagen-Interessenten von ihrem Händler einen Preisnachlass in dieser Größenordnung. Spannend wird sein, ob es VW gelingt, diesen Anspruch zu drosseln - schließlich ist er aus jahrzehntelang gängiger Praxis auf dem deutschen Automarkt entstanden. Einige Wochen vor der Auslieferung des Golf V beharrt VW noch darauf, dass ein Absenken der tatsächlich zu zahlenden Preise gegenüber den Listenpreisen "nicht vorgesehen" sei.

"Modellanpassungen in den nächsten Monaten"

"Ich kann die Aufregung bei VW über unser Angebot nicht nachvollziehen und sehe die Kritik als reichlich überzogen an", sagte Quelle-Sprecher Erich Jeske gegenüber manager-magazin.de. Selbstverständlich habe man die rechtliche Seite vor dem Einstellen des Golf-V-Angebots ins Internet gründlich recherchiert. VW hat zwar eine "rechtliche Prüfung" angekündigt, "aber dabei wird es auch bleiben", so Jeske. Das Medium Internet und durch die EU gelockerte Handelsgesetze machten die Auto-Rabattangebote möglich - "Warum sollten wir die Chance also nicht nutzen?", fragt Jeske.

Das Geschäft, entwickelt mit dem Partner Carplus, sei rechtlich wasserdicht und "auf Grund des erwarteten Umsatzes auch lohnend". Das günstige Angebot gelinge, weil man mit hohen Stückzahlen ähnlich konfigurierter Fahrzeuge kalkuliere. "Wir erwarten außerdem, dass viele der Autokunden auch auf das von uns angebotene Zubehör zurückgreifen werden", sagt Jeske.

Diesen Anreiz gibt es nicht nur für Golf-Besitzer. Fast schon logisch wäre, dass der ewige Golf-Konkurrent Opel Astra (General Motors ) ebenfalls ins Angebot aufgenommen wird. "Es sind sicherlich weitere Modellanpassungen in den nächsten Monaten möglich", sagt Jeske.

Quelle-Credo: Die Demokratisierung des Luxus'

Dabei soll es - wie beim Golf -, erneut um Angebote gehen, die nicht limitiert sind. Vorerst strebt Quelle einen Gesamtabsatz von 5000 Autos pro Jahr an - gegenüber 600.000 Golf, die VW weltweit binnen eines Jahres absetzen will, eine (noch) bescheidene Größe. Jeske sieht das Automobilgeschäft mit dem Partner Carplus aber als "langfristiges Engagement" - Wachstumschancen inbegriffen. Wegen des neuen Golf habe es einen "Sturm von Kundenanfragen" gegeben.

Dabei kann Quelle noch viel billiger. Den höchsten Rabatt räumt der Versandhändler für einen Ford Galaxy ein - 22 Prozent unter Liste wird der Van mit deutscher Tageszulassung offeriert. Und seit etwa drei Monaten sind außerdem diverse EU-Importwagen im Angebot.

Kommen demnächst auch Oberklasse-Modelle auf die Online-Verkaufsschiene? "Als Direktmarketing-Unternehmen orientieren wir uns beim Produktmix konsequent an den Wünschen und Bedürfnissen unserer Kunden", sagt Jeske. Weil man dabei der Maxime "Demokratisierung des Luxus'" (Quelle) folgt, scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Fürther Versandhändler auch Autos mit Stern  oder weiß-blauer Raute  ins Programm aufnimmt.

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