Volkswagen/Quelle Schnäppchen-Streit um den Golf V

Das offiziell günstigste Angebot für den neuen Golf kommt vom Versandhändler Quelle. Einen Monat vor dem Auslieferungsstart werden zehn Prozent Rabatt versprochen. VW giftet: "Das ist nur eine PR-Blase", prüft aber rechtliche Schritte.

Wolfsburg / Fürth - Der Versandhändler Quelle  (KarstadtQuelle) will den neuen VW-Golf noch vor der offiziellen Markteinführung Mitte Oktober mit einem zehn-prozentigen Rabatt anbieten.

Der Volkswagen-Konzern erwartet von der angekündigten Verkaufsoffensive keinen Imageschaden und kündigte an, keinen Golf V an Quelle ausliefern zu wollen. Zudem würden jetzt rechtliche Schritte gegen die Rabattaktion geprüft.

"Wir haben vor, den Golf V zehn Prozent günstiger anzubieten", sagte Quelle-Sprecher Erich Jeske. Interessenten könnten den neuen Golf auf der Internetseite von Quelle bereits bestellen. Anders als bei früheren Aktionen des Versandhändlers soll das Angebot unbegrenzt bleiben. "Wir wollen so viele Autos verkaufen, wie bestellt werden", hatte Jeske in der "Bild am Sonntag" angekündigt.

VW bewertet das Quelle-Angebot als "unseriös"

Der Wolfsburger Autohersteller wird den Golf V am 17. Oktober, dem offiziellen Verkaufsstart, an seine Vertragshändler ausliefern. Der Einstiegspreis beläuft sich auf rund 15.000 Euro. Beim Händler kann der Golf V nach VW Angaben bereits bestellt werden.

VW-Sprecher Dirk Große-Leege zeigte sich von dem Vorhaben von Quelle indes wenig beeindruckt. "Die ganze Nummer, die Quelle dabei auslöst, ist eine große PR-Blase", sagte er Reuters. "Versprechungen wie diese" seien von diversen Versandhäusern schon öfters gemacht aber nicht eingehalten worden. VW werde keinen neuen Golf an Quelle liefern, so Große-Leege: "Ich frage mich, woher Quelle die versprochenen Autos nehmen will".


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Nach Angaben von Quelle handelt es sich bei den Fahrzeugen um Neufahrzeuge von deutschen Vertragshändlern zum Preis ab 18.283 Euro. Der Kunde spare mindestens 2017 Euro. Angeboten werden ein Benzin- und ein Dieselmotor. Das gesamte Geschäft werde über die Bayreuther Firma Carplus abgewickelt, sagte Quelle-Sprecher Erich Jeske.

Carplus gewinnt ein Dutzend VW-Händler als Partner

Carplus tritt nach eigenen Angaben ausschließlich als Vermittler für die preiswerten Neuwagen aus Wolfsburg auf, was nach EU-Recht zulässig sei. Verkäufer der Golf-V-Fahrzeuge seien rund ein Dutzend VW-Händler. Mit ihnen habe Carplus als Quelle-Partner vorab einen Mengenrabatt für eine unbegrenzte Anzahl von VW Golf V ausgehandelt, sagte Carplus-Geschäftsführer Heiko Eich gegenüber Reuters. Diese VW-Händler machten sich nicht strafbar. "Richtig ist, dass VW-Händler Neufahrzeuge nicht an uns verkaufen dürfen. Das tun sie auch nicht", sagte Eich.

VW-Sprecher Große-Leege sagte zu dem Vorhaben von Quelle: "Wir werden prüfen, ob Rechtsverstöße vorliegen." Eine zentrale Frage sei, wer bei einem solchen Geschäft Verkäufer sei. "Wenn Quelle lediglich als Vermittler für den Neuwagenkauf auftritt, könnte das rechtlich möglicherweise in Ordnung sein", fügte er hinzu. Ansonsten läge ein Rechtsverstoß eines VW-Händlers vor.

Händler erwarten Rabatt-Ansprüche auf Quelle-Niveau

Nachteile für den Händlerabsatz durch die angekündigte Rabatt-Aktion befürchtet VW-Sprecher Große-Leege nicht. "Die Nachfrage nach dem Golf V ist enorm groß. Kein Händler wird das Modell unter Einstandspreis abgeben."

Große-Leege trat damit Befürchtungen von VW-Händlerverbandssprecher Michael Lamlé entgegen. Lamlé hatte sich besorgt darüber gezeigt, dass Kunden mit dem Golf-Angebot von Quelle bei ihrem Händler versuchen könnten, ebenfalls einen Rabatt zu erhalten.

Quelle arbeitet Jeske zufolge seit dem Einstieg in den Autohandel im Mai dieses Jahres mit mehreren Händlern zusammen. "In den letzten vier oder fünf Wochen hatten wir viele Telefongespräche mit Händler in ganz Deutschland", sagte der Sprecher. Dabei habe man sich nicht nur mit VW-Vertragshändlern unterhalten.



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