Otto Der Post Konkurrenz machen

Der Versandkonzern hat trotz der Konsumschwäche im abgelaufenen Geschäftsjahr seinen Jahresüberschuss um 25,9 Prozent auf 233 Millionen Euro gesteigert. Unternehmenschef Michael Otto kündigt eigene Paket-Shops an.

Hamburg - Wie Unternehmenschef Michael Otto am Donnerstag mitteilte, stagnierten jedoch die Umsätze. Es gab einen leichten Rückgang um 0,8 Prozent auf 19,19 Milliarden Euro, was Otto jedoch dem starken Euro anlastete. Währungsbereinigt seien die Umsätze leicht um 0,4 Prozent gestiegen.

Die guten Erträge erklärte das Unternehmen mit Maßnahmen zur Kostensenkung und einer Steigerung des Warenrohertrags. Durch die Verlegung der Produktion von Hongkong, Taiwan oder Südkorea in Länder wie China oder Vietnam ergebe sich eine "bessere Preisspanne", erklärte Otto. Auch auf der Mitarbeiterseite werde durch verstärkte Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit gespart. Betriebsbedingte Kündigungen gebe es aber nicht.

Das stärkste Wachstum erzielte das Unternehmen nach eigenen Angaben im Internetgeschäft. Im Onlinehandel habe es eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro gegeben. "Heute macht E-Commerce bereits rund zehn Prozent des Konzernumsatzes aus, mittelfristig rechne ich mit einem Anteil von 20 Prozent", erklärte Otto. Damit werde die Entwicklung vom klassischen Versandhaus zum "breit aufgestellten Handels- und Dienstleistungskonzern" fortgesetzt.

Kunden können Pakete abholen lassen

Ausgebaut werden soll auch der Bereich Logistik, für den das Otto-Tochterunternehmen Hermes steht. Dessen Paketdienst soll künftig verstärkt Privatkunden ansprechen und der Deutschen Post  Konkurrenz machen. So sollen die bundesweit gut 9000 Paketshops des Hermes-Netzes von diesem Herbst an allen Verbrauchern auch als Abgabestelle für private Pakete zur Verfügung stehen. "Wir sind wettbewerbsfähig im Preis, haben dabei aber breitere Servicemöglichkeiten." So könnten die Kunden ihre Pakete beispielsweise auch zu Hause abholen lassen.

Der klassische Versandhausbetrieb über Kataloge macht laut Otto immer noch den größten Teil des Umsatzes aus, wird aber immer kleiner. Auch die Katalogauflage schrumpfe wegen des verstärkten Internetangebots. Gleichzeitig wachse aber auch der stationäre Handel. "Die viel beschworene Gefahr, die verschiedenen Absatzformen könnten sich beim Multichannel-Vertrieb gegenseitig kannibalisieren, sehen wir nicht bestätigt", erklärte Otto. Im Gegenteil, viele Kunden nutzten die Vertriebskanäle je nach aktuellem Bedarf parallel.

Für das laufende Geschäftsjahr 2003/2004 rechnet Otto nach einem leichten Umsatzrückgang von rund zwei Prozent im ersten Halbjahr insgesamt mit einer Stagnation. "Ich bin zuversichtlich, dass es uns auch weiterhin gelingen wird, uns von der allgemeinen Entwicklung ein Stück weit abzukoppeln", erklärte Otto.

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