Sonntag, 21. April 2019

Gesundheit Angst vor "blutiger Entlassung"

2. Teil: "Nicht die Krankheit finanzieren, sondern die Gesundheit"

Neben den finanziellen Faktoren wirkt sich auch die Gesundheitsreform maßgeblich auf den Fusions- und Kooperationstrend aus. Hier sind vor allem die Fallpauschalen entscheidend. Sie verpflichten die Leistungsträger, von 2004 an stationäre Behandlungen nach festen Sätzen zu vergüten. Nach dem alten Modell orientiert sich die Erstattung an der Dauer des Aufenthaltes.

Verfügt eine Klinik über modern geführte, größere und standardisiert arbeitende Einheiten, hat sie pro Patient niedrigere Kosten als ein Haus herkömmlichen Standards. Sie erzielt somit bei pauschaler Vergütung einen höheren Profit. Daher beschleunigt die Neuregelung die Konzentration.

Versicherte müssen damit rechnen, dass Kliniken ganz schließen oder zumindest weniger effiziente medizinische Abteilungen zur Disposition stellen. Alternativ setzen die Kliniken auf stärkere Kooperation mit benachbarten Häusern. Trägergesellschaften, die mehrere Einrichtungen in einer Region haben, denken darüber nach, spezialisierte Bereiche nur noch an einem der Standorte zu betreiben.

Unbemerktes Outsourcing

Für die Patienten stellt sich die Frage nach der Qualität der Versorgung. So steigt etwa durch die Fallpauschalen der Anreiz für die Krankenhäuser, Patienten früher zu entlassen. Die Angst vor so genannten "blutigen Entlassungen" macht die Runde.

Langfristig werden die Patienten zwar längere Wege zu Krankenhäusern in Kauf nehmen müssen. Sie werden dann jedoch in speziellen Zentren von hoch spezialisierten Fachleuten versorgt. Nicht direkt merken werden die Versicherten, wenn nicht-medizinische Bereiche wie Küche oder Wäscherei zusammengelegt oder an externe Anbieter vergeben werden. Denn auch das ist in den Sparmaßnahmen vorgesehen.

Dass man bei diesem Diskussionsstand nicht verharren darf, ist für Jürgen Sponnagel, Vorstandsmitglied bei Mummert, keine Frage. "Noch reden wir über die Finanzierbarkeit von Krankheit, obwohl das Problem die Finanzierbarkeit von Gesundheit ist."

Seite 2 von 2

© manager magazin 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung