Montag, 20. Mai 2019

Yukos/Sibneft Der neue Öl-Gigant

Die russischen Unternehmen Yukos und Sibneft dürfen zum weltweit viertgrößten Erdölkonzern fusionieren. Gegen beide Unternehmenschefs, Chodorkowski und Abramowitsch, laufen allerdings staatsanwaltliche Ermittlungen.

Moskau - Das russische Antimonopol-Ministerium hat am Donnerstag die Fusion der beiden Ölkonzerne Yukos Börsen-Chart zeigen und Sibneft Börsen-Chart zeigen genehmigt. Durch den Zusammenschluss entsteht der nach Fördermenge viertgrößte Erdölkonzern weltweit mit einem Marktwert von etwa 35 Milliarden US-Dollar (31,25 Milliarden Euro).

Im Clinch mit den Behörden: Yukos-Chef Michail Chodorkowski, hier bei der Unterzeichnung eines Kooperationsvertrags mit der französischen Elf Aquitaine
Der Yukos-Chef Michail Chodorkowski will die im April angekündigt Fusion zu YukosSibneft bis Dezember abschließen. Yukos' Konzernchef steht zurzeit unter Druck der russischen Justiz wegen angeblicher Betrugsdelikte während der Privatisierung in den 90er Jahren.

Chodorkowski, mit einem Privatvermögen von acht Milliarden Dollar an der Spitze von insgesamt 17 russischen Milliardären, hatte sich gegenüber der "Deutschen Welle" kritisch über die Ermittlungen geäußert. Die Verhaftung von Kollegen auf Anweisung der Generalstaatsanwaltschaft nannte er eine "Geiselnahme, wie sie leider typisch ist für Russland in diesen Jahren".

Die zivilen Institutionen, so der 40-Jährige hätten es schwer, sich gegen extrem starke, unreformierte, vom Erbe der Vergangenheit geprägte Rechtsschutzorgane zu behaupten.

Bank-Gründer, Politiker, Tycoon

Chodorkowski, der schon in jungen Jahren eine der ersten nicht-staatlichen Banken - "Menatep" - gegründet hatte, war Anfang der neunziger Jahre, als er begann, sein Öl-Imperium aufzubauen, gleichzeitig Stellvertreter des Ministers für Brennstoffe und Energie. Vor wenigen Wochen hat ihn das US-Magazin auf Platz 15 im Ranking der einflussreichsten Manager außerhalb der USA gesetzt.

Kursgewinn: Die Aktie von Sibneft an der Börse Frankfurt
Bei Sibneft soll Großaktionär und Oligarch Roman Abramowitsch ins Visier der russischen Rechtsschützer geraten sein, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax. Abramowitsch, der auch Gouverneur der Fernostregion Tschukotka ist, war international Anfang Juli durch den Kauf des englischen Fußballclubs Chelsea in den Medien aufgetaucht.

Spekuliert wird, dass Abramowitsch jetzt wesentliche Teile seines Imperiums, zu dem auch Beteiligungen an Eisenbahngesellschaften und Kernkraftwerken gehören, verkauft, um anschließend mit seiner sechsköpfigen Familie nach Großbritannien auszuwandern.

Kurs von Konkurrent Surgutneftegas legt zu

Neben den 88 Prozent an Sibneft, die er bereits an Yukos verkauft hat, gehört dem erst 36-jährigen Abramowitsch unter anderem die Hälfte des größten russischen Aluminium-Konzerns Rusal, das Gesamtvermögen des als Vollwaise Aufgewachsenen soll bei 5,6 Milliarden Dollar liegen.

Dass die von Chodorkowski und Abramowitsch, den beiden reichsten Männer Russlands, geplante Fusion am Widerstand der Behörden scheitern könnte, hatten die Investoren am russischen Aktienmarkt offenbar nur in der Minderheit erwartet.

Die Kurse der Ölkonzerne änderten sich nicht wesentlich, der regionale Aktienindex RTS-Interfax in Moskau schloss 0,57 Prozent fester bei 497,85 Punkten. Die Aktien der fusionierenden Ölkonzerne hatten allerdings am Vortag Kursgewinne im einstelligen Bereich erzielt.

Die übrigen Papiere der Branche notierten unterschiedlich. Papiere des bislang größten russischen Ölkonzerns Lukoil gaben 0,54 Prozent nach auf 18,4 Dollar. Der Wert der sibirischen Surgutneftegas Börsen-Chart zeigen, eines der 30 größten Erdölunternehmen weltweit, kletterte als Tagessieger um 6,8 Prozent auf 0,461 Dollar.

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