Dresdner Bank 4700 Stellen weniger

Herbert Walter führt sich bei der Dresdner Bank mit einem Paukenschlag ein. Im Rahmen der Präsentation der Halbjahreszahlen kündigt er an, in den kommenden zwei Jahren zusätzlich tausende Stellen zu streichen.
Von Arne Stuhr

Frankfurt/München - Das waren noch Zeiten, als die Angestellten der Dresdner Bank genau wussten, wo sie ihren Platz in der deutschen Finanzlandschaft hatten. Man war zwar nicht so groß wie die Deutsche Bank  - dafür aber aus eigener Sicht sympathischer - und rangierte deutlich vor der Commerzbank , der dritten großen Kraft am Bankenplatz Frankfurt.

Diese Zeiten sind vorbei. Als der Bundesverband deutscher Banken im Juli dieses Jahres die Rangliste der 100 größten deutschen Kreditinstitute veröffentlichte, fand sich die Dreba nur noch auf Rang vier wieder. Hatte die HypoVereinsbank  nach der Fusion von Bayerischer Hypotheken- und Wechselbank und Bayerischer Vereinsbank bereits vor Jahren Platz zwei erobert, zog - gemessen an der Bilanzsumme - nun auch die Commerzbank vorbei. Das tat weh.

Schmerzen sind die Dresdner-Mitarbeiter ja mittlerweile gewöhnt. Wurde die Zahl der abzubauenden Stellen unter Ex-Chef Bernd Fahrholz doch permanent in die Höhe geschraubt. Bisher sollten 11.000 der einst über 50.000 Jobs dem Rotstift zum Opfer fallen. Doch nun kommt es noch schlimmer: Herbert Walter, vom Erzkonkurrenten Deutsche Bank als Nachfolger für den erfolglosen Fahrholz abgeworben, kündigte am Donnerstag an, in den kommenden zwei Jahren weitere 4700 Stellen zu streichen, davon rund die Hälfte im IT-Bereich.

Unter dem Strich ein Minus von 450 Millionen Euro

Die Umstrukturierung kostet jedoch erst einmal Geld. Und so kann die Allianz-Tochter zwar für das erste Halbjahr 2003 ein operatives Ergebnis von sieben Millionen Euro ausweisen (Vorjahreszeitraum: minus 873 Millionen Euro), muss unter dem Strich auf Grund der hohen Restrukturierungsaufwendungen aber erneut einen herben Vorsteuerverlust ausweisen. Daran dürfte sich nach den neusten Plänen Walters auch in den kommenden Quartalen nichts ändern.

Mit einem Minus von 450 Millionen Euro bleibt die Dresdner Bank im ersten Halbjahr 2003 der Klotz am Bein der Muttergesellschaft Allianz, die die Frankfurter längst an die kurze Leine genommen hat. Das drückt sich auch darin aus, dass Neu-Dreba-Chef Walter wie schon sein Vorgänger Fahrholz gleichzeitig Vorstandsmitglied des Versicherungskonzerns ist. Damit hat Walter also mitnichten die Position eines souveränen Bankenchefs inne, sondern übt eher die Funktion eines Asset-Verwalters im Dienste der Allianz-Aktionäre aus.

Konzern-Primus Michael Diekmann hatte schon beim Stabwechsel auf der Hauptversammlung der Allianz im Frühjahr deutlich gemacht, dass die nicht ganz freiwillig übernommene Bank-Tochter weiter auf dem Prüfstand steht.

Der Investmentsparte Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) räumte er jetzt eine Gnadenfrist ein. In den kommenden beiden Jahren werde DrKW nach derzeitigem Stand nicht verkauft, teilte Diekmann am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit. Die Investmentbank sei seit drei Quartalen profitabel und habe ihre Kapitalbindung vermindert.

Lichtblicke gibt es auch in der Gesamtbank. So ist der Personal- und Sachaufwand weiter zurückgegangen. Damit konnte der Verwaltungsaufwand im Vergleich zu den bereinigten Vorjahreswerten um rund 560 Millionen Euro auf knapp drei Milliarden Euro reduziert werden. Das entspricht einem Rückgang von 16 Prozent.

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