Medion Interesse an Grundig

Der Elektronikgroßhändler prüft den Einstieg beim insolventen Unternehmen Grundig. Schon in trockenen Tüchern ist ein Lizenzvertrag mit Disney. Im ersten Halbjahr hat Medion seinen Gewinn und Umsatz um 15 Prozent gesteigert.

Essen - Der im MDax gelistete Elektronikgroßhändler Medion  hat im ersten Halbjahr 2003 Umsatz und Gewinn um 15 Prozent gesteigert, liegt damit aber nur noch am unteren Rand der für das Gesamtjahr prognostizierten Wachstumsraten.

Vor allem wegen eines gestiegenen Steueraufwands sei der Gewinn nach Steuern nur um 15,3 Prozent auf 39,2 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) legte um 19 Prozent auf 68,2 Millionen Euro zu.

Der Umsatz verbesserte sich vor allem dank starker Zuwächse im Auslandsgeschäft um 15 Prozent auf 1,197 Milliarden Euro. Im ersten Quartal hatte Medion noch einen Umsatz- und Ergebniszuwachs von mehr als 20 Prozent verbucht. Gerüchte über ein schwaches zweites Quartal hatten den Aktienkurs in den vergangenen Wochen belastet.

Medion hatte im März erstmals der schwachen Konjunktur Tribut gezollt und seine Wachstumsziele für 2003 auf 15 bis 20 Prozent reduziert. Bis dahin waren jährliche Zuwächse von 25 bis 30 Prozent geplant und auch immer erreicht worden. "Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere Wachstumsprognosen von 15 bis 20 Prozent bei Umsatz und Ertrag einhalten können", hieß es am Mittwoch in der Mitteilung.

Lizenzvertrag mit Disney abgeschlossen

Medion prüft nach Informationen von manager-magazin.de unterdessen einen Einstieg bei der insolventen Grundig AG. Als weitere Interessenten gelten die Elektronikhersteller Rolsen aus Russland und Changhong aus China. Beide Unternehmen verweigerten einen Kommentar zu der möglichen Übernahme. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" soll auch eine Gruppe um die Vorstände Werner Saalfrank und Günter Moissl Interesse an Grundig zeigen.

Aus dem Umkreis von Grundig verlautete, dass mit einer Übernahme zumindest die Marke und große Teile des Vertriebs der Nürnberger Firma gerettet würden. Für Medion wäre die Übernahme von Grundig wohl deshalb interessant, weil die Essener so eine Marke für das mittlere Preissegment gewinnen würden und auf das Vertriebsnetz zurückgreifen könnten. Der Handelselektronik-Dienstleister vermarktet für große Discounter wie Aldi, Tchibo, Tengelmann oder Rewe Produkte aus den Bereichen Computer, Multimedia, Unterhaltungselektronik und Kommunikationstechnik im Rahmen von Verkaufsaktionen.

Medion produziert die Geräte allerdings nicht selbst, sondern arbeitet als Schnittstelle zwischen Herstellern und Handel. Die Essener sondieren die Produktwünsche der Discounter und suchen daraufhin nach Produzenten, die diese Wünsche erfüllen können. Anschließend organisiert das Unternehmen Vertrieb und Marketing der Produkte. Lieferanten sind weltweit tätige Markenhersteller.

Medion gab zudem einen Lizenzvertrag mit Disney Consumer Products für die Entwicklung und den europaweiten Vertrieb von Unterhaltungselektronik unter der Marke "Disney"  bekannt. Erste Umsatzbeiträge der neuen Partnerschaft seien aber erst Anfang nächsten Jahres zu erwarten.

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