WestLB Neues aus dem Tollhaus

Bei der WestLB bahnt sich nach Informationen von manager-magazin.de ein Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats an. Der westfälische Sparkassenfürst Rolf Gerlach und sein rheinischer Kollege Karlheinz Bentele arbeiten an der Absetzung des Oberaufsehers Bernd Lüthje.

Düsseldorf - Gerlach und Bentele haben sich in Grundzügen auf eine Fusion des westfälisch-lippischen und des rheinischen Sparkassenverbandes geeinigt. Den Spitzenposten in dem neuen Großverband, der nach dem Land Nordrhein-Westfalen (NRW) gleichzeitig wichtigster WestLB-Anteilseigner wäre, soll der ehrgeizige Gerlach bekommen.

Der Sparkassenfunktionär drängt schon seit längerem auf eine Beförderung - bisher allerdings vergeblich. So scheiterte Gerlachs Versuch, Vorstand bei der WestLB zu werden, an Bedenken der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Und seine Hoffnung, die Nachfolge von Dietrich Hoppenstedt an der Spitze der Sparkassenorganisation anzutreten, scheiterte daran, dass der amtierende Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) noch eine Periode weiter macht. Nun will Gerlach vom künftig mächtigen Landesverband aus die Strippen ziehen.

Bentele, so der Plan, darf dafür den glücklosen Lüthje an der Spitze des WestLB-Kontrollgremiums ablösen. Der amtierende Aufsichtsratschef gibt nach Meinung von Bentele, Gerlach und anderen Rhein-und-Ruhr-Mächtigen bei der Aufarbeitung der WestLB-Krise eine unglückliche Figur ab, etwa bei einer Anhörung im Düsseldorfer Landtag.

Außerdem habe Lüthje "wider besseren Wissens", so ein WestLB-Insider, behauptet, erst im April dieses Jahres von der Schieflage der britischen TV-Verleihfirma Boxclever und den Folgen für die WestLB erfahren zu haben. Lüthje wörtlich am 15. Juli zur "Rheinischen Post": "Ich wusste nichts von den Problemen."

Nach Informationen von manager-magazin.de hätte Lüthje, der vom 1. Mai bis 31. Juli 2002 dem Vorstand des Bankkonzerns kurzfristig angehörte, eigentlich frühzeitig von der Lage gewusst haben müssen. Der frühere WestLB-Vorstand Andreas Seibert jedenfalls, der zusammen mit Ex-WestLB-Vorsteher Jürgen Sengera wegen der Affäre seinen Job verlor, erklärte gegenüber dem Prüfungs- und Risikoausschuss der WestLB in einem Schreiben am 23. Juli dieses Jahres, dass der Vorstand insgesamt umfassend über das Thema Boxclever unterrichtet worden sei.

Ein Brief des amtierenden WestLB-Chefs Johannes Ringel an die BaFin stützt Seiberts Aussage. So heißt es in dem Schreiben: "In der Vorstandsvorlage vom 22. Mai 2002 wurden die Geschäftsentwicklung und Abweichungen von Base Case (Basisszenario, Anm. der Red.) explizit besprochen."

Genau zu diesem Zeitpunkt gehörte Lüthje dem Vorstand der Bank an.

Gleichgültig, ob Lüthje vergessen hat, was damals im Topgremium des Hauses besprochen wurde oder nicht: Seine Tage als amtierender Aufsichtsratschef der WestLB sind wohl gezählt.

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