Fiat GM grollt - Gezerre um Verkaufsrecht

Im Streit mit General Motors versucht der Autokonzern, die Wogen zu glätten. GM ist nach eigener Darstellung keineswegs zum Kauf der Fiat-Autosparte verpflichtet. Auch für Fiat habe ein Verkauf "keine Priorität", heißt es nun aus Turin.

Turin- Der weltgrößte Autokonzern General Motors (GM) hat angezweifelt, dass der angeschlagene Fiat-Konzern über eine sogenannte Put-Option das Recht habe, seine Autosparte an GM zu verkaufen. Der italienische Autokonzern will einen Bruch mit GM aber vermeiden und rudert nun zurück: "Wir haben regelmäßige, sogar tägliche Kontakte mit General Motors, die darauf ausgerichtet sind, die Allianz zu verbessern. Die Put-Option ist dabei Teil unseres Abkommens", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" einen Sprecher des Fiat-Konzerns.

Der Fiat-Konzern leidet seit Jahren unter hohen Verlusten. Konzernchef Giuseppe Morchio will mit Investitionen in neue Modelle das Ruder herumreißen und hofft, General Motors bei dieser Operation als Partner im Boot zu behalten.

GM-Konzernchef Rick Wagoner hatte jüngst die juristische Gültigkeit der Put-Option in Frage gestellt. Laut Berichten aus Branchenkreisen verhandeln die beiden Konzerne über mögliche Alternativen zu dem Verkaufsrecht, das möglicherweise nicht mehr ausgeübt werden könne. GM hatte vor drei Jahren 2000 rund 20 Prozent an Fiat Auto übernommen und dem Konzern eine Verkaufsoption eingeräumt. Danach hat der italienische Konzern das Recht, GM zwischen 2004 und 2009 auch die übrigen Anteile an Fiat Auto zu verkaufen.

Put-Option hat "nicht höchste Priorität"

Die von GM geäußerten Positionen bezögen sich auf Erklärungen gegenüber der Börse, in denen "alle Eventualitäten aufgeführt werden müßten", zitiert die FAZ einen Sprecher des Konzerns. Morchio habe ebenso wie Präsident Umberto Agnelli mehrmals wiederholt, daß für Fiat das Andienungsrecht nicht höchste Priorität genieße. Man habe nicht vor, dieses Recht in absehbarer Zeit auszuüben.

Seit Februar ist die Beteiligung von GM an der Autosparte jedoch auf 10 Prozent gesunken, weil die schwere Krise von Fiat Auto eine Kapitalerhöhung notwendig machte, an der sich GM nicht beteiligen wollte. Die Konzernspitze von GM wurde gebeten, innerhalb von 18 Monaten zu überlegen, ob sie sich noch mit ihrem Anteil von 1 Milliarde Euro an der Kapitalerhöhung beteiligen will. Die Fiat-Holding würde dann noch einmal 1 Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Damit wären die ursprünglichen Beteiligungsverhältnisse wiederhergestellt.

Der von Fiat-Chef Giuseppe Morchio ausgearbeitete neue Sanierungsplan sieht die Schließung von zwölf Werken vor. Weltweit werden 12.300 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2006 abgebaut, 9500 davon außerhalb Italiens.