Allianz 100 Tage im Amt

Seit Ende April führt Michael Diekmann nun das Zepter bei der Allianz. Auch wenn es um den Münchener Versicherungsriesen deutlich ruhiger geworden ist, sind noch längst nicht alle Probleme vom Tisch.

München - In der Öffentlichkeit ist der neue Allianz-Chef Michael Diekmann seit seinem Amtsantritt vor gut drei Monaten kaum in Erscheinung getreten. Dem 48-Jährigen liegt es mehr, hinter den Kulissen die Aufgaben abzuarbeiten, die er sich selbst gesetzt hat: Nach dem ersten Verlust in der Geschichte der Allianz  im vergangenen Jahr will Diekmann Deutschlands größten Versicherungskonzern schnell wieder in die schwarzen Zahlen führen.

Erste Erfolge auf diesem Weg könnte das Unternehmen bereits an diesem Donnerstag (14. August) vorweisen, wenn der Konzern seine Halbjahresbilanz vorlegt. Nach vier Verlustquartalen in Folge halten Analysten für die Monate April bis Juni eine Rückkehr in die Gewinnzone für möglich.

Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa-AFX rechnen Analysten im Durchschnitt mit einem Überschuss von 296 Millionen Euro nach einem Verlust von 356 Millionen Euro im Vorjahr. Allerdings ist die Spanne der Einschätzungen sehr breit, einzelne Experten halten auch einen weiteren Verlust noch für möglich. Im vorangegangenen ersten Quartal musste der Konzern einen Verlust von 520 Millionen Euro ausweisen. 2002 verbuchte die Allianz wegen der Börsenkrise, der Dresdner Bank und des Jahrhunderthochwassers vom August vergangenen Jahres ein Minus von 1,2 Milliarden Euro.

Teilerfolge bei der Umstrukturierung

Branchenbeobachter schreiben Diekmann bereits erste Teilerfolge bei der Umstrukturierung des Konzerns zu, so etwa beim französischen Versicherer AGF. "Wir werden nach und nach weitere Fortschritte sehen", sagte ein Commerzbank-Analyst. Bislang habe Diekmann einen guten Start hingelegt.

Auch der Rücktritt des ehemaligen Chefs der Allianz-Tochter Dresdner-Bank, Bernd Fahrholz, war mit dem neuen Vorstandschef in Verbindung gebracht worden. Das Geldhaus hatte dem Konzern seit der Übernahme im Sommer 2001 Verluste in Milliardenhöhe beschert. Die Restrukturierung gilt daher auch als eine der obersten Prioritäten Diekmanns. Der neue Allianz-Chef erwartet von der Bank, dass sie noch in diesem Jahr schwarze Zahlen schreibt und hat angedeutet, dass das Investmentbanking für ihn nicht zum Kerngeschäft der Allianz gehört. Seither gab es Spekulationen, dass der Konzern sich von der Investmentbank-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein trennen könnte.

Analysten sehen die Dresdner Bank derzeit unter anderem durch eine Erholung an den Bondmärkten und dadurch bedingte Verbesserungen beim Handelsergebnis auf Erholungskurs. Die Commerzbank  etwa erwartet im zweiten Quartal im Banksegment der Allianz einen operativen Gewinn von 60 Millionen Euro und einen Vorsteuerverlust von 233 Millionen Euro.

Rückenwind durch Börsenaufschwung

Leichten Rückenwind hat die Allianz mit ihrem immensen Aktienportfolio in den vergangenen Monaten durch die Erholung an den Börsen erhalten. Dennoch kommen hier nach Einschätzung eines Analysten der Privatbank Sal. Oppenheim im zweiten Quartal nochmals rund 400 Millionen Euro netto an Abschreibungen auf den Versicherer zu. Deutlich besser als in diesem Jahr könnte die Allianz nach Einschätzung des Commerzbank-Analysten im kommenden Jahr dastehen: "Wenn die Märkte nicht einbrechen, werden wir im nächsten Jahr wieder ein sauberes Ergebnis sehen." Bis dahin kann sich Diekmann allerdings nach Einschätzung von Experten nicht zurücklehnen: "Eine Sache, die er sicher anpassen muss: Die Schaden-Kosten-Quote muss runter", sagte der Analyst von Sal. Oppenheim. Kosten und Schadenauszahlungen sind im Vergleich zu den Prämieneinnahmen zu hoch.

Diekmann hatte bereits angekündigt, dass er sich nicht viel Zeit lassen will, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Nicht erst übermorgen, "sondern so schnell als möglich", solle die Allianz wieder über die Gewinnschwelle kommen, versicherte er den gebeutelten Aktionären bei der Hauptversammlung. Im vergangenen Jahr mussten sie einen Kursverfall der Aktie um über 60 Prozent erleben.

von Christine Schultze, dpa