Lkw-Maut Knirschen im Zählwerk

Zwei Monate reichen nicht - der Start des bundesweiten Maut-Systems wird nach Aussage von Verkehrsexperten auch im November nicht klappen. Die Behebung technischer und organisatorischer Mängel erfordere mehr Zeit.

München - Wenn morgen die "Maut-Fahrkarten" für Lkw in Deutschland eingeführt würden, wäre die Verwunderung groß: Die Software, mit der die individuellen Abrechnungen für jedes Fahrzeug bearbeitet werden sollen, spuckt im Moment noch 50 Prozent Fehlbuchungen aus, berichtet der "Focus".

Diese und andere Pannen stehen dem gerade erst auf Anfang November verschobenen Starttermin der Maut im Weg.

Der Verkehrsexperte der CDU/CSU- Bundestagsfraktion Dirk Fischer sagte gegenüber "Focus": "Ministerielle Kreise haben mir erklärt, dass sich die Einführung des Mautsystems noch deutlich über den 2. November hinaus verschieben wird, denn es klappt noch gar nichts." Das Verkehrsministerium wies den Bericht am Samstag in Berlin zurück.

Angeblich erst 7.500 Maut-Geräte an Bord installiert

Ein Ministeriumssprecher sagte auf Anfrage, das Hersteller- Konsortium habe den 2. November als Starttermin zugesichert. "Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln", betonte der Sprecher. Er wies auch zurück, dass das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) - wie von "Focus" berichtet - die vorläufige Betriebsgenehmigung für das elektronische Maut-System nicht wie angekündigt bis Mitte August erteilen werde.

Grundlage für die vorläufige Betriebsgenehmigung sei ein Gutachten im Auftrag des Konsortiums und des Ministeriums, sagte der Sprecher. Dieses von neutralen Experten verfasste Papier werde erst Mitte August vorgelegt.

Zudem seien bislang nur 7.500 Bordgeräte in Lkw eingebaut worden. Das Verkehrsministerium hatte 150.000 Geräte zugesichert. Der Bedarf liege jedoch inzwischen bei 450.000 Bordcomputern.

Am 8. September muss Verkehrsminister Manfred Stolpe vor dem Verkehrsausschuss des Bundestags detailliert erläutern, wie das System reibungslos funktionieren soll. Den Berichtstermin hat die Opposition beantragt. Stolpe soll weiter erklären, wie die Maut-Mindereinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe ohne Kürzungen bei den Verkehrsinvestitionen kompensiert werden können.