Stromkonzerne Verband wittert Manipulation

Seit Jahresbeginn sind die Strompreise um bis zu 22 Prozent angestiegen. Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft schließt nicht aus, dass dies auf Manipulationen zurückzuführen ist. Nun will das Bundeskartellamt der Sache auf den Grund gehen.

Hamburg - Mit dem Thermometer steigen auch die Strompreise: Klimaanlagen steigern den Verbrauch, Atomkraftwerke (AKW) müssen ihre Leistung verringern oder gar abgeschaltet werden. Jetzt gibt es gar Vorwürfe, die Stromerzeuger würden die Preise künstlich in die Höhe treiben.

Die Energiekonzerne würden den Terminmarkt der deutschen Strombörse in Leipzig gezielt nutzen, um die Preise in die Höhe zu treiben, vermutet der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK). Laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" will das Bundeskartellamt die Vorwürfe prüfen.

Seit Jahresbeginn stiegen dem Verband zufolge die Preise an der Leipziger Strombörse kontinuierlich und ungewöhnlich stark - seit Jahresbeginn um bis zu 22 Prozent. In der vergangenen Woche versiebenfachte sich teilweise der Preis für Spitzenlaststrom gar innerhalb weniger Tage. Das sei mit normalen Verbrauchsdaten nicht zu erklären, sagt der VIk.

EnBW ruft zum Stromsparen auf

Die Preissprünge der vergangenen Woche sind auch das Ergebnis der Hitzewelle. Der Stromverbrauch ist in diesem Sommer erheblich höher als sonst - die rund um die Uhr laufenden Klimaanlagen fordern ihren Tribut. Zum anderen kann ebenfalls nicht die normale Menge an Strom produziert werden.

Aufgrund der gestiegenen Wassertemperatur in den Flüssen verringerten drei der vier deutschen AKW-Betreiber in den vergangenen Tagen die Leistungen ihrer Kraftwerke um bis zu 50 Prozent, unter anderem die Meiler Brunsbüttel, Stade, Isar I, Krümel und Unterweser.

Das Atomkraftwerk Obrigheim ging bereits ganz vom Netz. Möglicherweise werden in den nächsten Tagen weitere Kraftwerke abgeschaltet.

Der Karlsruher Energiekonzern EnBW rief die Verbraucher zwar zum Stromsparen auf. Aber weder EnBW , Eon , noch Vattenfall Europe  sehen die Stromversorgung als gefährdet an. Die geringeren Strommengen aus den Atomkraftwerken, wie auch die Ausfälle aus der Windenergie würden durch höhere Erzeugung in anderen Kraftwerken kompensiert.