Deutsche Bahn Zwangsstopp für Diesel-ICEs

Die Ursache für einen entgleisten Diesel-ICE im Dezember ist immer noch nicht eindeutig geklärt. Nun hat das Aufsichtsamt überraschend angeordnet, alle Züge dieses Typs still zu legen. Die Bahn gibt indirekt Siemens die Schuld.

Bonn - Die Zwangspause tritt nach Anordnung des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) sofort in Kraft und betrifft alle 20 ICE-Züge mit Dieseltechnik.

Grund für die Anweisung sei ein neues Gutachten des Amtes, teilte die Bahn mit. Der ICE dieses Typs verkehrte auf den Strecken Nürnberg-Dresden und München-Zürich.

Die Bahn will sich nach eigener Mitteilung bemühen, Störungen für die Passagiere zu vermeiden. Dies sei aber nicht ganz einfach, da "jetzt quasi über Nacht" die Personalpläne für die genannten Strecken geändert und neue Loks beschafft werden müssten. Auf den Strecken fahren zunächst nur noch InterCitys.

Achsen nicht bruchfest genug?

Seit Ende 2002 bei Gutenfürst (Vogtlandkreis) der ICE 1799 "Franken-Kurier" entgleiste, dürfen die Diesel-ICEs der Baureihe 605 nur noch ohne die zugeschaltete Neigetechnik und deshalb mit verminderter Geschwindigkeit fahren. Damals war an einem Drehgestell eine Achswelle gebrochen. Für die Strecke Chemitz-Nürnberg hatte die Bahn wegen der Verzögerungen bereits einen Notfahrplan herausgegeben müssen.

Nach Auskunft des EBA hat das Gutachten ergeben, dass die "Dauerfestigkeit der Radschwellen nicht nachgewiesen" sei. Die verwendeten Achsen seien also nicht so bruchfest, wie in der Industrie ansonsten üblich, erläuterte ein Sprecher des Amtes. Industrie und Bahn wollten sich bisher nicht konkret darauf festlegen, was die Ursache für das Unglück im Dezember gewesen sein könnte.

Ist Siemens schuld?

Die Bahn nannte die Anordnung überraschend und schob die Schuld indirekt dem Hersteller der Züge zu, Siemens Transportation.

Er habe erst kürzlich zugesagt, die Schwierigkeiten bis zum nächsten Fahrplanwechsel zu beheben. Der allerdings erfolgt erst wieder im Dezember.

Die Züge der Baureihe hatten seit ihrer Einführung im Sommer 2001 durch immer neue Pannen für Verspätungen, Ausfälle und negative Schlagzeilen gesorgt. Das EBA rechnet damit, dass die Achsen der Züge nun komplett ausgetauscht werden müssen. Bisher ist unklar, wie lange dies in Anspruch nehmen wird

Weiterhin Probleme auf der Neubaustrecke Frankfurt-Köln

Pannenserie bei Klimaanlage dauert an

Probleme hat die Bahn weiter auch auf der prestigeträchtigen ICE-Neubaustrecke Frankfurt-Köln. Am Freitag dementierte das Unternehmen, dass es auf dieser Strecke Verluste schreibe. Dies hatte zuvor der Hessische Rundfunk berichtet. Allerdings sagte Bahn-Sprecher Gelfo Kröger, die Auslastung der Züge betrage nur 37 Prozent. Das sei "ordentlich", befand er, außerdem stiegen die Fahrgastzahlen an. Dass sie nach wie vor unter Plan lägen, begründete er mit der mangelnden Akzeptanz des Preissystems und der Konkurrenz durch Billigflieger.

Die Mängel an den so genannten Wirbelstrombremsen seien aber inzwischen behoben. Die fehlerhaften Bremsen hatten in den vergangenen Monaten bei den ICE-Zügen wiederholt dazu geführt, dass automatisch das Tempo gedrosselt wurde, die Folge waren zahlreiche Verspätungen.

Stolpe erhöht den Druck

Probleme hat die Bahn aber nach wie vor mit ausfallenden Klimaanlagen. Bis zu einer endgültigen Lösung sollen die Anlagen in kürzeren Intervallen ausgetauscht werden als geplant, so Kröger. Auch hier trügen die Hersteller die Schuld - sie hätten angekündigt, die Probleme bis zum Herbst zu beseitigen.

Ungeachtet der Krise bei der Bahn treibt die Bundesregierung den Börsengang des Konzerns voran. Im Oktober werde dafür ein Konzept vorgestellt, sagte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe der "Financial Times Deutschland". Das geschwundene Vertrauen der Kunden und die Umsatzeinbußen hätten den Weg an den Kapitalmarkt nicht verbaut, sagte der SPD-Politiker. "Die Bahn will 2005 börsenfähig sein. Ich würde mich freuen, wenn das gelänge." Voraussetzung sei, dass sie bis dahin dauerhaft schwarze Zahlen schreibe und an der Börse wieder Kauflaune herrsche.

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