Gegenposition "Das sind nur einzelne Aufschreie"

Eine Lobby in Furcht um ihre Pfründe: Die Bundesanstalt für Arbeit hält die Kritik der Zeitarbeitsbranche für übertrieben. Gegenüber manager-magazin.de erklärte Referatsleiter Ulrich Gawellek seine Sichtweise.

Nürnberg - In der Bundesanstalt für Arbeit hat man für die Aufregung der Zeitarbeitsbranche nur ein müdes Lächeln übrig. "Das sind einzelne Aufschreie, weil sich durch die Personalserviceagenturen jetzt in einem schwierigen Gesamtmarkt etwas ändert", so die Einschätzung von Referatsleiter Ulrich Gawellek. "Die rechtliche Konstruktion der PSA lässt Dumping auf Dauer gar nicht zu."

Zwar räumt er ein, dass einige PSA-Dienstleister ihr Personal zu ganz besonders niedrigen Verrechnungssätzen zur Verfügung stellen und damit eine harte Konkurrenz zu den etablierten Zeitarbeitsanbietern darstellen. Die neuen Personalanbieter müssten sich schließlich auch erst auf diesem eng abgesteckten Markt etablieren, wirbt er um Verständnis.

Gawellek kann sich jedoch nicht vorstellen, dass sich solche Dumping-Angebote auf lange Sicht rechnen. Die Honorierung der Arbeitsämter belohne vielmehr diejenigen, die Arbeitssuchende in einen festen Job bringen. Ein Arbeitsverhältnis bei einer PSA dauert mindestens neun Monate, die Honorare der Arbeitsämter an die Vermittler nehmen in dieser Zeit stufenweise ab (während das Gehalt für den Arbeitnehmer gleich bleibt), die Prämien an die PSAs für die erfolgreiche Vermittlung ebenso.

Rechenschaft für jeden einzelnen Arbeitlosen

Daher, argumentiert Gawellek, sei eine Kontrolle der Verwendung dieser Gelder nicht notwendig. Stattdessen müssen die PSA jeden Monat über ihre Aktivitäten Rechenschaft ablegen und zwar für jeden einzelnen Arbeitssuchenden, der ihnen zugeteilt wurde. Das Honorar der Arbeitsämter werde erst im Nachhinein entrichtet, wenn die PSA überzeugend dargelegt hätten, dass sie "mit Vermittlungsinteresse" aktiv waren.

Überdies sei die Zuverlässigkeit der PSA-Anbieter bei der Auftragsvergabe sorgfältig überprüft worden. Das wichtigste Kriterium, betont er, sei aber, dass der unternehmerische Anreiz, eine PSA zu betreiben in der Vermittlung liege, nicht im Verleihen von Personal.

Den Einwand, dass eigentlich nur erfahrene Zeitarbeitsunternehmen professionell genug für diese Aufgaben seien, will er nicht gelten lassen. Auch andere Anbieter könnten Erfahrung vorweisen, etwa bei der Vermittlung von Sozialhilfeempfängern.

"Das ist für uns nicht attraktiv"

Gawellek räumt jedoch ein, dass die bisherigen Regularien für die Zeitarbeitsbranche einengend wirkten. Der Gesetzgeber hat eine Liberalisierung längst beschlossen, die Branche die Voraussetzungen dafür durch den Abschluss eines Tarifvertrages geschaffen. Allerdings treten die Regelungen erst zum Jahreswechsel 2004 in Kraft.

Dass die PSA den Zeitarbeitern das Wasser abgrabe, hält er für eine Übertreibung. Das sei weder das Ziel noch die Größenordnung des Projektes. Dramatisierende Sorgen um wachsende Konkurrenz findet er unberechtigt. "Nicht umsonst", schließt Gawellek, "winken eine ganze Reihe von Zeitarbeitsanbietern beim Thema PSA ab und sagen: Das ist für uns nicht attraktiv."

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