Personalserviceagenturen "Das schadet dem Wert der Zeitarbeit"

Eine Branche in Aufruhr: Die deutschen Personalverleiher bekommen Konkurrenz - mit staatlicher Förderung. Im Interview mit manager-magazin.de spricht der Chef von Manpower, Thomas Reitz, über die Angst vor Peter Hartz' Personalserviceagenturen. Und warum er dennoch dabei mitmacht.

mm.de:

Herr, Reitz, wie ist die Stimmung in Ihrer Branche?

Reitz: Gemessen an den früheren Erfolgen geht es meiner Branche bescheiden. Der Markt ist im vergangenen Jahr um etwa zehn Prozent zurückgegangen und wird in diesem Jahr stagnieren. Wenn ich für mein Unternehmen spreche, bin ich jedoch nicht so pessimistisch. Wir werden in diesem Jahr deutlich über dem Vorjahresergebnis abschließen.

mm.de: Woher kommen die Probleme?

Reitz: Personaldienstleister sind Mittler zwischen Arbeitsmarkt und Stellensuchenden. Deshalb leiden auch wir unter der wirtschaftlichen Misere. Je weniger freie Stellen es gibt, desto schwieriger ist es folglich für uns.

mm.de: Für jeden Beschäftigten bekommen Sie als PSA 900 bis 1300 Euro vom Arbeitsamt und eine Prämie, sollte er von einem Ihrer Kunden übernommen werden. Ist das nicht für Sie ein Weg, auch in Zeiten mit hoher Arbeitslosigkeit Geschäfte zu machen?

Reitz: Die PSA sind für uns nicht primär eine Einnahmequelle. Sie wurden von der Hartz-Kommission als Herzstück der Lösungsansätze der Arbeitsmarktmisere eingeführt, aber nicht so umgesetzt, wie das in der Kommission ursprünglich gedacht war. Der Konkurrenzdruck wächst zulasten nicht subventionierter Zeitarbeitsstellen.

mm.de: Manpower sind gerade 400 PSA-Stellen bewilligt worden. An denen verdienen Sie doch auch.

Reitz: Selbstverständlich. Dennoch hätte ich mich aus unternehmerischer Sicht an den PSA nicht beteiligt. Mit unserer Gesellschaft PSA by Manpower, die wir in Abgrenzung zu unserem Kerngeschäft gegründet haben, werden wir am Ende des Jahres rote Zahlen schreiben, so viel steht fest. Die staatlichen Gelder, die wir für hier beschäftigte Arbeitslose bekommen, geben wir zu hundert Prozent für Coaching-Maßnahmen und Schulungen sowie für die Zeiten der Nichtbeschäftigung aus. Es ist nämlich so, dass die Beschäftigten unserer PSA längere Wartezeiten haben als unsere anderen Mitarbeiter, bis sie an ein Unternehmen überlassen werden. Die Subventionen der Bundesanstalt münden also nicht in unser Unternehmensergebnis, sondern werden in die Arbeitnehmer investiert.

Buchhalter für fünf Euro die Stunde

Buchhalter für fünf Euro die Stunde

mm.de: Das war der politische Wille, der hinter dieser Maßnahme steckt.

Reitz: Richtig. Ich erlebe aber täglich, dass einige unserer Mitbewerber am PSA-Markt, meistens Bildungsträger oder andere Organisationen, diese Subventionen auf den Verrechnungssatz der Zeitarbeiter schlagen. Das heißt: den Unternehmen werden von dieser Seite beispielsweise Buchhaltungskräfte zu Stundensätzen von knapp über fünf Euro angeboten. Das beschädigt den Marktwert von Zeitarbeit.

mm.de: Wie können sich diese Anbieter das leisten?

Reitz: Das vermag ich nicht genau zu sagen. Es liegt aber die Vermutung nahe, dass hier nicht so viel Geld in die Fortbildung der Arbeitssuchenden gesteckt wird. Es gibt ja leider keine Stelle, die die Verwendung der Gelder im Sinne des Hartz-Konzepts kontrolliert.

mm.de: Warum beteiligen Sie sich an dem Programm, wenn es nicht rentabel ist?

Reitz: Zum einen habe ich persönlich an den Hartz-Vorschlägen mitgearbeitet und stehe dahinter. Zum anderen ist Manpower eines der führenden Unternehmen dieser Branche, wir haben ein Interesse daran, sie mit weiterzuentwickeln. Wir gehen damit auch einer staatsbürgerlichen Pflicht nach. So gesehen können wir uns gar nicht leisten, an einem solchen Projekt nicht teilzunehmen. Was ich beschrieben habe, sind außerdem unsere ersten Erfahrungen mit den PSA, die erst am Anfang stehen. Ich halte nicht viel davon, die Dinge schlechtzureden, bevor man sie ausprobiert.

mm.de: Schon im Vorfeld haben Sie die Vergabepraxis der PSA als "Ruf schädigend für die Zeitarbeitsbranche" bezeichnet.

Reitz: Diese Formulierung will ich Ihnen erläutern. Als schädigend betrachte ich folgendes: Es sollen insgesamt 800 PSA entstehen, nur ein Bruchteil davon in der Verantwortung etablierter Zeitarbeitsunternehmen. Wir und unsere Mitbewerber haben seit Jahren Kontakte zu Unternehmen und können aus einem reichhaltigen Angebot Stellen suchen, die auf das Profil des Zeitarbeiters passen - die meisten neuen Anbieter bieten das nicht.

Es ist vermessen zu sagen: "Ich mache jetzt einfach mal eine PSA auf", ohne dass man tatsächlich Stellen anbieten kann, die für die Arbeitssuchenden infrage kommen. Das ist zum Scheitern verurteilt. Solche PSA-Betreiber werden aber, wenn später Bilanz gezogen wird, mit schlechten Ergebnissen das Gesamtergebnis nach unten ziehen. Und das könnte auch auf uns zurückfallen. Ich befürchte, dass wir am Ende als Loser der Nation dastehen, nur weil andere keine ernst zu nehmenden Angebote gemacht haben.

"Wir brauchen keine PSA"

"Wir brauchen keine PSA"

mm.de: Wie funktioniert Ihre PSA-Vermittlung? Treten Sie an die Kunden heran mit einem "Premiumangebot" auf der einen Seite und den PSA-Kräften auf der anderen?

Reitz: Für den Kunden macht es keinen Unterschied, aus welchem Pool die Beschäftigten kommen. Natürlich wird er darüber aufgeklärt, weil unsere PSA rechtlich getrennte Unternehmen sind, aber in der Darstellung des Arbeitskräfteangebotes, in der Preisgestaltung und in der Qualität des Personals bleibt für den Kunden alles gleich. Unser Problem ist der Preisvergleich mit den anderen PSA-Anbietern, wo teilweise die gleichen Angebote für fünf bis sechs Euro weniger pro Stunde angeboten werden.

mm.de: Wie sieht für Sie ein vernünftiges PSA-Modell aus?

Reitz: Ich meine, dass wir keine PSA brauchen. Die Zeitarbeitsbranche hat mehr Personen in den Arbeitsmarkt integriert als jede staatlich subventionierte Maßnahme.

mm.de: Aber durch die staatlichen Subventionen wird doch ein Teil der Arbeitssuchenden überhaupt erst interessant, den die Zeitarbeitsfirmen nicht hätten vermitteln wollen.

Reitz: Für dieses Problem haben wir der Bundesanstalt Vorschläge gemacht, als es um die Umsetzung des Hartz-Konzeptes ging. Die sieben größten Zeitarbeitsunternehmen Deutschlands haben angeregt, einen gemeinsamen Pool für die Qualifikation und Vermittlung solcher Arbeitnehmer zu schaffen. Das hätten wir als Vertriebsprofis ohne Subventionen hinbekommen.