US-Flugbranche Boeing runter, American Airlines rauf

Der US-Flugzeughersteller Boeing will offenbar bis zu 5000 weitere Stellen abbauen, die meisten in der Fertigung. Überraschend positive Zahlen meldet dagegen der weltgrößte Luftfahrtkonzern - dessen Aktie steigt.

Seattle - Einen geplanten Arbeitsplatzabbau, der 5000 Boeing-Mitarbeiter betrifft, melden informierte Kreise in Seattle. Betroffen sei insbesondere die Fertigung von Geschäftsflugzeugen in Seattle, hieß es weiter.

Ein Boeing-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Er verwies auf die Praxis, dass bei Personalmaßnahmen zunächst die Beschäftigten und wichtige Aktionäre informiert würden.

Seit den Anschlägen vom September 2001 in den USA hat Boeing den Personalstand um rund 20 Prozent verringert. Von einst rund 199.000 Beschäftigten schrumpfte die Belegschaft auf 159.800. Von den Anschlägen waren die Fluggesellschaften und in der Folge die Luftfahrtindustrie besonders betroffen worden.

Schwäche im Raumfahrtgeschäft dauert an

Am Dienstag hatte der amerikanische Luft- und Raumfahrtkonzern die Märkte mit der Nachricht aufgeschreckt, für das zweite Quartal eine Sonderbelastung in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar zu verbuchen. Die fortdauernde Schwäche im kommerziellen Raumfahrtgeschäft und höhere Kosten für Raumfahrtmissionen seien dafür verantwortlich.

Während die Boeing-Aktie  in den vergangenen Tagen beständig an Wert verlor, legt die Notierung der Muttergesellschaft der weltgrößten Fluggesellschaft American Airlines, AMR Corp , seit dem gestrigen Mittwoch deutlich zu. Im zweiten Quartal 2003 wurde ein niedrigerer Verlust als erwartet verzeichnet.

Das Unternehmen, das in diesem Jahr einen Konkursantrag knapp abwenden konnte, erzielte nach eigenen Angaben im Juni sogar einen kleinen Gewinn. Finanzchef Jeff Campbell sagte, das Geschäftsumfeld habe sich verbessert. Es gebe einige positive Anzeichen bei den Geschäftsreisen.

Airlines-Chef Campbell sieht Konzern gut gerüstet

Campbell rechnet damit, dass der Rückgang des Luftfahrtverkehrs im dritten Quartal deutlich geringer sein werde als der geplante fünfprozentige Kapazitätsabbau des Unternehmens. Bei der geplanten Streichung von Flügen und der Schließung des Reservierungsbüros in St. Louis würden wahrscheinlich mehr als 2000 Stellen verloren gehen, hieß es.

AMR hatte in diesem Jahr einen Umstrukturierungsplan mit dem Ziel eingeleitet, die Kosten um vier Milliarden Dollar pro Jahr zu senken. Allein die Lohnkosten sollten um jährlich 1,8 Milliarden Dollar reduziert werden.

Im zweiten Quartal ist der Verlust vor Sonderposten auf 357 Millionen Dollar oder 2,26 Dollar je Aktie gesunken, von 495 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Nach Sonderposten betrug nach Unternehmensangaben der Verlust lediglich 75 Millionen Dollar oder 0,47 Dollar je Aktie.

Rekordverlust in der Luftfahrtgeschichte überwunden

Hier ist allerdings zu berücksichtigen, dass AMR von der US-Regierung 358 Millionen Dollar erhalten hatte. Diese Gelder sind Teil eines Hilfspakets an die US-Fluggesellschaften wegen der Kosten in Folge der Anschläge vom 11. September 2001.

American Airlines hatte im vergangenen Jahr den größten Verlust in der Luftfahrtgeschichte verzeichnet und allein im ersten Quartal eine weitere Milliarde Dollar verloren.

Weltweit leiden Fluggesellschaften noch immer unter den Folgen der Anschläge vom 11. September, neue Rückschläge wie der Irak-Krieg und die Lungenkrankheit SARS kamen hinzu. Unmittelbar nach den Anschlägen in New York und Washington hatte AMR rund 20.000 der damals insgesamt mehr als 100.000 Stellen gestrichen.

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