IG-Metall Räumt Peters' Rivale das Feld?

Die zerstrittene Führung der IG Metall lässt offen, wer künftig die Leitung übernimmt. Vize-Chef Jürgen Peters, für viele schuld am Streikdesaster im Osten, hat aber offenbar einen Etappensieg errungen.

Frankfurt am Main - Noch immer bleiben die Türen des Sitzungssaales in Frankfurt verschlossen, in dem eigentlich schon am frühen Nachmittag ein Ausweg aus dem Führungsschlamassel gefunden werden sollte.

Noch immer ist nicht offiziell bekannt, ob die 40 anwesenden Mitglieder des Hauptvorstandes sich auf die Seite des Noch-Chefs Klaus Zwickel oder seines designierten Nachfolgers Jürgen Peters geschlagen haben. Er wird von vielen für die Niederlage im jüngsten Streik in Ostdeutschland verantwortlich gemacht.

Nach einem Bericht des "Tagesspiegels" indes steht Peters' wichtigster Kontrahent, der baden-württembergische Bezirksleiter und Zwickel-Protegé Berthold Huber, nicht mehr für das Spitzenamt der Gewerkschaft zur Verfügung. Das Blatt schreibt unter Berufung auf Teilnehmer der Sitzung, Huber wolle auch nicht für den Vize-Vorsitz kandidieren und so eine Tandemlösung als Option endgültig ausschließen.

Chaotische Situation im Vorstand

Unklar ist indes noch, ob sich Peters Chancen damit verbessert entscheidend hätten. Der "Tagesspiegel" berichtet, Huber wolle mit seinem Entschluss die Peters-Befürworter unter Zugzwang setzen. Das Blatt schreibt, die Situation im Vorstand sei weiter total unübersichtlich und chaotisch.

Zwickel, der im Oktober aus Altersgründen aus dem Amt scheidet, und weitere Vorstandsmitglieder werfen Peters vor, ein Streikkonzept durchgeführt zu haben, das im Vorstand nie beschlossen worden sei. Peters habe das Gremium in die Irre geführt. Der für Streiktaktik verantwortliche Peters wies die Vorwürfe zurück und beharrte auf seiner Kandidatur. Kurz vor der Sitzung forderte er auf N24 eine "sachliche Debatte" und die Rückkehr zu "einer Gemeinsamkeit, die uns, die Gewerkschaften insgesamt, stark gemacht hat".

Von dieser Gemeinsamkeit war in den vergangenen Monaten indes wenig zu spüren. Die letzte Kampfabstimmung über die Nachfolgefrage endete vor drei Monaten mit 20 zu 20 Stimmen zunächst in einem Patt. Damals war der als Pragmatiker geltende Huber als Zwickels Wunschkandidat angetreten. Peters hatte sich erst in einer zweiten Abstimmung durchgesetzt.

Außerordentlicher Gewerkschaftstag wird erwogen

Am Abend wurde auch darüber spekuliert, dass die IG Metall einen außerordentlichen Gewerkschaftstag einberufen könnte. Damit würde der Vorstand die Personalfrage vorübergehend vertagen. IG-Metall-Sprecher Eilrich bestätigte, dass auch über diese Option gesprochen werden solle. Das IG-Metall-Vorstandsmitglied Bruno Neumann schloss vor Beginn der Sitzung selbst den Rücktritt des gesamten Gremiums nicht aus.

Der Vorstand diskutierte Eilrich zufolge zwei Sitzungsvorlagen, eine davon aus Peters' tarifpolitischer Abteilung. Laut "Süddeutscher Zeitung" heißt es darin, die politischen Rahmenbedingungen und Kommunikationsfehler seien Schuld am Scheitern des Streiks. Zwickel wollte laut diesem Bericht ein eigenes Papier präsentieren, in dem letztlich Peters die Schuld gegeben werde.

Angesichts der quälenden Debatte riefen selbst Arbeitgeber und Unionspolitiker die IG Metall zu mehr Geschlossenheit auf. Martin Kannegiesser, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, sagte der "Welt": "Wir können uns keine Hängepartie leisten, weil in Ostdeutschland in den nächsten Wochen viele Probleme und offene Fragen zu lösen sind."

Nach Ansicht des Unionsfraktionsvizes Friedrich Merz steht die IG Metall nicht nur vor einer Personalfrage. "Was jetzt in der IG Metall stattfindet, ist in Wahrheit ein Richtungskampf um Rückfall in alte Ideologien oder Modernisierung", sagte Merz der "Sächsischen Zeitung" "Wir stehen vor der Frage, ob wir in Deutschland in Zukunft moderne Gewerkschaften haben."

Merz, der jüngst oft mit gewerkschaftskritischen Kommentaren auffiel, sagte im Interview, er mache sich Sorgen um die Zukunft der Arbeitsnehmervertretung insgesamt. Für überbetriebliche Lohnverhandlungen brauche man Vertragspartner auf beiden Seiten. "Und wenn sich die IG Metall jetzt selbst zerlegt, fehlt in Zukunft auf einer Seite ein Verhandlungspartner. Das kann niemand wirklich wollen."