WestLB Trumpf in Wembley

Mit der Finanzierung des neuen Wembley-Stadions ist der Landesbank in London offenbar ein werthaltiger Coup gelungen. Das von der mittlerweile umstrittenen Star-Bankerin Robin Saunders angeschobene Projekt entwickelt sich gut, heißt es aus der Bank.
Von Christian Buchholz

Düsseldorf/London - 23.000 Tonnen Stahl, 90.000 Sitzplätze und 757 Millionen britische Pfund Kosten - das sind die Rahmendaten für das (nach dem Nou Camp in Barcelona) zweitgrößte Stadion Europas, das derzeit in London entsteht.

Am "New Wembley", das 2006 eröffnet werden soll, will die britische Football Association (FA) ebenso Geld verdienen wie die staatliche National Lottery und weitere Regierungsinstitute - finanziell eingebunden ist aber auch die Düsseldorfer WestLB.

Die Landesbank bot 2002, nachdem das Projekt bereits eine sechsjährige Planungsphase hinter sich hatte, einen Hypothekenkredit für Wembley. Gemeinsam mit der Société Générale und Lehman Brothers gehörte das Düsseldorfer Finanzinstitut zu den "Joint Lead Arrangers" des Deals, vier weitere Banken hatten ein Angebot der WestLB angenommen und als "Sub-Underwriter" unterschrieben.

Staatsanwaltschaft ermittelt in London

Das Risiko für den Kredit in Höhe von 426 Millionen Pfund ist also breit gestreut - ein solides Geschäft? Ein Beispiel für gelungenes Investmentbanking auf globalem Parkett?

Die Antwort dürfte positiv sein - und damit ein Grund, warum die WestLB-Eigner, im Wesentlichen das Land und Landschaftsverbände, sich gegen eine drohende Auflösung des interationalen Geschäfts bei der WestLB ausgesprochen haben. Dabei wurde jüngst ausführlich über Versäumnisse der WestLB in London berichtet.

Die Finanzaufsicht BaFin prüfte die Sorgfalt des Instituts im Fall einer Beteiligung bei gleichzeitiger Kreditvergabe an den britischen TV-Geräteverleiher Box Clever - und kam zu einem niederschmetternden Ergebnis: Die BaFin überreichte ihre Ergebnisse nicht nur der WestLB-Leitung, sondern schickte gleich noch eine Kopie an die Staatsanwaltschaft.

Untersuchungen werden noch Monate dauern

WestLB-Vorstandschef Jürgen Sengera musste kurz darauf seinen Hut nehmen, ein Schritt, der für einige Beobachter überraschend kam - ebenso überraschend wie die Wertberichtigung von 430 Millionen Euro wegen Box Clever, die er zuvor vermeldet hatte.

Und der Düsseldorfer Staatsanwalt Hans-Josef Wassen kündigt in der "Welt am Sonntag" an, dass die Untersuchungen bezüglich WestLB/Box Clever noch Monate dauern werden: "Ich gehe davon aus, dass wir erst Ende des Jahres mehr wissen." Die Ermittler prüfen derzeit, ob ein Anfangsverdacht für ein Strafverfahren vorliegt.

Heftig in der Kritik stand und steht auch die Leiterin der 30 Mitarbeiter zählenden Principal-Finance-Sparte in London: Robin Saunders, die für die WestLB über fünf Jahre jeweils dreistellige Millionengewinne erwirtschaftet hatte, war in den Box-Clever-Deal involviert und erntete heftige Kritik.

Das unvergessene Wembley-Tor

Milliarden-Risiko im Flugzeug-Leasing dementiert

Zu den 15 größten Risikofällen, die die BaFin nun untersucht, gehört auch die 100-prozentige WestLB-Tochter Boullioun Aviation, die Flugzeuge kauft und verleast. Der "Focus" hatte berichtet, dass bei dem US-Unternehmen ein Risiko von einer Milliarde Euro schlummere.

WestLB-Sprecher Hans Albers dementiert gegenüber manager-magazin.de: "Diese Behauptung weisen wir zurück. Das Management von Boullioun strebt für 2003 vielmehr ein ausgeglichenes operatives Ergebnis an - trotz der unbestrittenen Risiken, die die gesamte Flugbranche derzeit überschatten."

Das Projekt Wembley war anfangs ebenfalls umstritten. Die Kreditexperten von Barclays hatten im vergangenen Jahr mit der WestLB um die Finanzierung der angeblich teuersten Sportarena der Welt konkurriert. Barclays deutete später an, auch auf Grund eines Prüfberichts der britischen Regierung ausgestiegen zu sein, in dem ein "kavaliersmäßiger Umgang mit öffentlichen Geldern" angeprangert worden sei. Missmanagement und Kompetenzgerangel wurden Politikern und Planern vorgeworfen.

"Es ist ein solides Geschäft"

So zahlte die FA-Tochter "Wembley National Stadium Limited" mit 103 Millionen Pfund (damals 160 Millionen Euro) für das Grundstück nach Ansicht von Immobilienexperten einen 100-Prozent-Aufschlag auf den realistischen Wert. Kritiker fürchten, dass die öffentliche Hand auch künftig mit wenig kaufmännischer Fortune agiert.

Sprecher Albers widerspricht: "Es ist ein solides Geschäft." Obwohl das Stadion erst in zweieinhalb bis drei Jahren seinen Betrieb aufnehmen wird, seien bereits langfristige Verträge für mehr als die Hälfte der hochpreisigen "Premium Seats" im Stadion verkauft, ähnlich gut stehe es um die Plätze in den geplanten VIP-Lounges. Zudem "gehen die Bauarbeiten schneller voran als es im Plan steht", ergänzt Albers.

3:2 - das unvergessene Wembley-Tor

Bisher ist der auf eine Laufzeit von 16 Jahren angelegte Wembley-Hypothekenkredit nicht in Anspruch genommen worden, noch zehren die Verantwortlichen von den stattlichen 44 Prozent Eigenkapital. Wie bei Baufinanzierungen üblich, werden die Gelder von der WestLB und den weiteren beteiligten Banken später in festgelegten Tranchen nach Baufortschritt gewährt.

Dass von dem Neubau des Wembley-Stadions eine deutsche Bank profitiert, könnte auch sportlich begründet werden: Schließlich war es die deutsche Nationalmannschaft, die durch das umstrittene "Wembley-Tor" der Briten 1966 nicht Weltmeister wurde. 30 Jahre später, im Halbfinale der EM, konnte sich die deutsche Mannschaft zwar mit einem Elfmeter-Tor von Andy Möller in Wembley behaupten.

Und auch im letzten Spiel im alten Wembley-Stadion (1923 eingeweiht) gewannen die Deutschen - ein Freistoß von Dietmar Hamann in der 14. Minute reichte zum 0:1-Erfolg in der WM-Qualifikation 2000.

Das 3:2 in der 11. Minute der Endspiel-Verlängerung von 1966 ist damit aber noch nicht aufgewogen. Schließlich prallte der Ball damals von der Latte vor die Torlinie. Oder?

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