Arbeitslosigkeit "Dies ist keine Eintagsfliege"

Die Arbeitslosigkeit ist im Juni gegenüber dem Vormonat leicht zurückgegangen - und zugleich auf den höchsten Juni-Stand seit dem Mauerfall gestiegen. Die Bundesanstalt für Arbeit rechnet erst 2004 mit einer konjunkturellen Entlastung am Arbeitsmarkt.

Nürnberg - Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juni gegenüber dem Vormonat nur leicht zurückgegangen - und zugleich auf den höchsten Juni-Stand seit der Wiedervereinigung Deutschlands gestiegen. Bundesweit gab es 4,257 Millionen Arbeitslose, das sind 85.000 weniger als vor einem Monat, aber 303.100 mehr als vor einem Jahr, wie die Bundesanstalt für Arbeit (BA) am Dienstag in Nürnberg erklärte. Die Arbeitslosenquote sank im Juni von 10,4 auf 10,2 Prozent.

Der Rückgang der bereinigten Arbeitslosenzahl geht nach Einschätzung von BA-Chef Florian Gerster auf eine stetige Entwicklung seit Jahresbeginn zurück. "Dies ist keine Eintagsfliege", sagte Gester am Dienstag. "Wir hoffen natürlich, dass die saisonbereinigte Entwicklung der Arbeitslosenzahl auch in den nächsten Monaten deutlich positiv verläuft." Dies könne man allerdings nicht mit Sicherheit sagen.

Gerster warnte jedoch vor Euphorie und betonte, dass Deutschland noch weit entfernt sei von einer wirtschaftliche Belebung. Eine konjunkturelle Entlastung am Arbeitsmarkt werde es erst im kommenden Jahr geben. Das Vorziehen der Steuerreform könne einen zusätzlichen Wachstumsimpuls auslösen und so die Zahl der Arbeitslosen nach Einschätzung der BA um zusätzlich etwa 50.000 senken.

Gerster führte den Rückgang auf die verstärkte Aktivierung von Arbeitslosen sowie auf die Reformen am Arbeitsmarkt zurück. Wegen des ungewöhnlich späten Ferienbeginns habe sich der im Sommer übliche Anstieg der Arbeitslosenzahl in diesem Jahr noch nicht bemerkbar gemacht.

In Westdeutschland ist die Zahl der Arbeitslosen im Juni um 51.800 auf 2.663.000 gesunken. Das waren 254.600 mehr als vor einem Jahr. In Ostdeutschland ging die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung im Juni um 33.200 auf 1.594.400 zurück. Das waren 48.400 mehr als vor zwölf Monaten.

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