Gehälter 2003 3,6 Prozent Plus im Handel

Die Gehälter der meisten Beschäftigten in Deutschland sind zuletzt weit stärker gestiegen als die Preise. Frauen verdienen weiterhin deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen.

Wiesbaden - Wenn höheres Einkommen wirklich den Konsum belebt und die Wirtschaft ankurbelt, wie die Bundesregierung gerne betont - dann kann der Aufschwung wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen.

In praktisch allen Branchen jedenfalls sind die Gehälter im April dieses Jahres deutlich stärker gestiegen als die Lebenshaltungskosten. Das geht aus Zahlen zur hervor, die das Statistische Bundesamt am Montag veröffentlichte. Das Amt hat damit erstmals branchenspezifische Daten zur Entwicklung der Bruttolöhne in Deutschland herausgegeben.

Nach den vorläufigen Zahlen liegen Angestellte im Handel bei den Steigerungen vorn: Sie erhielten im Schnitt mit 2671 Euro rund 3,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Ähnlich gut erging es den Vollzeitbeschäftigen in der deutschen Industrie: Mit durchschnittlich 2894 Euro brutto lag ihr Einkommen um 3,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Angestellten im Kredit- und Versicherungsgewerbe verdienen mit 3236 Euro zwar besser als Arbeitnehmer in den anderen untersuchten Branchen - dafür aber stieg ihr Bruttoeinkommen "nur" um rund 2,7 Prozent.

Die Gehaltssteigerungen liegen damit im Schnitt deutlich über dem, was zum Inflationsausgleich nötig wäre. Der Verbraucherpreisindex nämlich ist im gleichen Zeitraum laut Mitteilung des Amtes um nur ein Prozent gestiegen. Die bezahlte Wochenarbeitszeit blieb mit 37,8 Stunden nahezu unverändert. Daten zum Nettoeinkommen veröffentlichte das Amt nicht. Ein Teil des Bruttoanstiegs dürfte indes durch steigende Kosten etwa für die Renten- und die Krankversicherung wieder aufgezehrt worden sein.

Frauen machen im Dienstleistungsbereich Boden gut

Während es in der Industrie im Schnitt keine Divergenzen bei der Lohnentwicklung von Männern und Frauen gibt, konnten Frauen im Dienstleistungsbereich Boden gut machen: Weibliche Beschäftigte im Handel verdienten im Schnitt 3,9 Prozent mehr, männliche 3,0 Prozent. Bei Banken und Versicherungen legten Frauen um 3,0 Prozent zu, Männer um 1,7 Prozent.

Allerdings bleibt der Durchschnittslohn von Frauen in allen untersuchten Branchen laut Bundesamt weiterhin deutlich niedriger als der männlicher Kollegen. Bei Arbeitnehmern im Produzierenden Gewerbe liegt das Durchschnittsgehalt von Frauen im Schnitt 20,8 Prozent unter dem der Männer, bei Banken und Versicherungen sind es 22,7 und im Handel gar 27,4 Prozent.

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