IG Metall "Böswillig und aus der Luft gegriffen"

Es sei ja bekannt, dass er nicht der Wunschkandidat von Klaus Zwickel sei, sagte IG-Metall-Vize Jürgen Peters. Länger als fünf Jahre sei er trotzdem loyal geblieben - "aus Respekt vor dem Amt". Nun, nach der Rücktrittsforderung, holt er zum Gegenschlag aus.

Berlin - Wenn der Vorstandsvize eines Unternehmens öffentlich derart über seinen Chef vom Leder zöge, wäre er seinen Posten Punktum los. Doch der stellvertende IG-Metall-Chef Jürgen Peters sah nach den Rücktrittsforderungen von Gewerkschaftsboss Klaus Zwickel keine Alternative: Er ging mit scharfen Worten zum Gegenangriff über.

"Sie haben alle vernommen, dass Herr Zwickel mich indirekt und über die Medien zum Rücktritt aufgefordert hat", begann Peters seine persönliche Ehrenerklärung um 13 Uhr am heutigen Montag. Doch Peters machte klar, dass er sich dem nicht beugen würde.

"Ehrverletzend" nannte er die Anschuldigungen Zwickels. Denn den Vorwurf, er, Peters, habe die IG-Metall-Führung über die Strategie beim Streik in Ostdeutschland getäuscht, sei "nachweislich faktisch falsch".

Daher schmerze ihn der Vorwurf "umso mehr". Zwickel sei zudem "jeglichen Beleg für diese schwere Anschuldigung schuldig geblieben".

"Mediale Alleingänge" von Zwickel angeprangert

"Jeder hier im Raum weiß, dass ich nicht der Wunschkandidat von Herrn Zwickel bin. Ich kann ja nichts dafür", so Peters weiter. Trotzdem habe er seit seinem Antritt des Führungspostens bei der IG Metall vor fünf Jahren nie öffentlich Kritik an Zwickel geübt - "aus Respekt vor dem Amt und aufgrund der Verantwortung gegenüber der Gewerkschaft".

Anlässe hätte es aus Peters Sicht genügend gegeben. Als Beispiel nannte er mehrere "mediale Alleingänge" Zwickels, deren Themen vorher hätten abgestimmt werden müssen.

Für die "böswilligen und völlig aus der Luft gegriffenen Vorwürfe" gegen ihn forderte Peters von allen Beteiligten eine öffentlich ausgesprochene Entschuldigung. Den Kernvorwurf, er habe einen Streik mit Fernwirkung organisiert, will Peters morgen während der Sitzung des IG-Metall-Gesamtvorstands entkräften.

Vorab zitierte er aber bereits aus Schreiben, die aus seiner Sicht eindeutig belegen, dass Zwickel über alle entscheidenden Schritte und mögliche Szenarien des Streiks fünf bis zehn Tage im Voraus informiert wurde.

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