Aldi Discounter unter Druck

Wirtschaftskrise? Konsumflaute? Aldi kannte diese Wörter bisher nur von Konkurrenten. Doch Marktforscher haben jetzt schrumpfende Umsätze der verschwiegenen Billigheimer ermittelt. Aldis Erzrivale trumpft dagegen auf.

Hamburg - Bisher schien es so, als ob die Wirtschaftsflaute Discountern wie Aldi nichts anhaben konnte. Mit zeitweise zweistelligen Zuwachsraten wuchs die Handelskette aus Essen in den vergangenen Jahren gegen den Trend. Doch plötzlich gerät auch der scheinbar unangreifbare Billighändler unter Druck. Im Mai verzeichnet der so genannte Consumer Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK für den Discountpionier schon zum zweiten Mal ein Minus.

Danach ist der Umsatz der Aldi-Gruppe im Vergleich zum Vorjahr um 0,5 Prozent geschrumpft, für den März hatte die GfK sogar einen Rückgang von 1,7 Prozent errechnet. Ein Ende des Discountbooms zeichnet sich damit allerdings nicht ab. Denn Erzkonkurrent Lidl, der ebenso wie Aldi kaum Einblick in seine Geschäftszahlen gewährt, konnte laut GfK in den ersten fünf Monaten beim Umsatz um stattliche 16 Prozent zulegen, Aldi hingegen nur um 5,5 Prozent.

Das Jahr 2002 verlief dagegen für die Billigheimer von Aldi vortrefflich. Laut Forsa-Umfrage ist die Zahl der Aldi-Kunden allein 2002 um 20 Prozent gestiegen. "Jeder achte Euro, den der deutsche Verbraucher im Lebensmittelhandel ausgibt, landet bei Aldi", wurde der Handelsforscher Herbert Kuhn von der Unternehmensberatung MM Eurodata in der "Welt" zitiert.

"Rasantes Expansionstempo"

Aldi und Erzrivale Lidl liefern sich derzeit weiter einen Wettkampf, wer in kürzester Zeit die meisten Filialen eröffnet. Aldi eröffnet im Schnitt pro Woche mindestens einen neuen Laden. Ein noch rasanteres Tempo legt das Neckersulmer Unternehmen Lidl vor. Hier zu Lande hat der Discounter 2002 im Schnitt an jedem dritten Tag eine neue Filiale eröffnet. Auch für 2003 rechnet Herbert Kuhn vom Frankfurter Handelsmarktforschungsinstitut Eurodata "mit einem ähnlich rasanten Expansionstempo".

Rasant wächst Lidl auch in Europas Osten. In Tschechien hat der deutsche Discounter allein kürzlich 14 Filialen auf einen Schlag eröffnet. Lidl, der in 16 Ländern einen Umsatz von über 20 Milliarden Euro erzielt, möchte das Filialnetz laut der "Lebensmittelzeitung" weiter verdichten. Bis Ende 2003 sollen mindestens 40 Filialen gegründet sein.

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