IG Metall Schwarzer Peters

Die Luft wird dünn für Jürgen Peters. Er werde nicht freiwillig aus dem Amt scheiden, betont der Gewerkschafts-Vize. Andererseits will die Kritik nicht verstummen, dass Peters für den schiefgelaufenen Streik im Osten hauptverantwortlich sei. Nun berät die Führungsspitze über Peters Schicksal.

Frankfurt/Main - Unmittelbar vor dem Zusammentreffen mit der innersten IG-Metall-Führung hat der angeschlagene Vize Jürgen Peters seinen Anspruch auf den Gewerkschaftsvorsitz bekräftigt.

"Ich werde dem Gewerkschaftstag im Oktober Rechenschaft ablegen und für den Vorsitz kandidieren", erklärte Peters gegenüber der "Bild". Führende Funktionäre erneuerten unterdessen ihre Forderungen für und wider einen Rücktritt Peters.

IG-Metallchef Klaus Zwickel gehört dabei zu den Kritikern seines Stellvertreters. "Die IG Metall ist schwer getroffen, und dafür gibt es Personen, die Verantwortung tragen und Konsequenzen ziehen müssen", sagte Zwickel, der im Herbst von seinem Vorstandsposten zurücktritt, in der vergangenen Woche.

Nur noch Stunden bis zur Entscheidung

Peters habe die IG-Metall-Leitung vor den Streiks in den neuen Bundesländern zudem über die Strategie "faktisch getäuscht". Es sei nicht abgestimmt gewesen, den Streik mit Fernwirkung auf westdeutsche Betriebe und unbefristet zu führen.

Als möglicher Nachfolger für Peters wird nun in weiten Kreisen der IG Metall Harald Schartau (SPD), Arbeitsminister von Nordrhein-Westfalen, genannt. Dessen erste Reaktion war jedoch ablehnend.

Am heutigen Montagvormittag traf Peters in der Frankfurter IG-Metall-Zentrale bei der turnusmäßigen Sitzung des geschäftsführenden Vorstands der Gewerkschaft mit IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und den übrigen acht Mitgliedern des Gremiums zusammen, wie eine Gewerkschaftssprecherin erklärte.

Gegen 13 Uhr will Peters eine Erklärung abgeben. Am (morgigen) Dienstag tritt um 9.00 Uhr der 41 Mitglieder umfassende Gesamtvorstand der IG Metall mit den Bezirksleitern zu einer Sitzung zusammen.

Spätestens dann werden wesentliche Vorentscheidungen über die künftige Führung der Gewerkschaft erwartet. Einflussreiche Bezirke drängen auf einen schnellen Rückzug von Peters, der für das Scheitern des Streiks in Ostdeutschland verantwortlich gemacht wird.

Was wird aus Peters?

Huber: "Nicht an zugeschütteten Gräben rühren"

IG-Metall-Vorstandsmitglied Horst Schmitthenner forderte am Montag ein Ende der Personaldebatte und sprach sich indirekt für ein Bleiben von Peters aus: Die vorgesehene Tandemlösung mit Peters als Gewerkschaftschef und dem baden-württembergischen Bezirksleiter Berthold Huber als Stellvertreter habe die "Gräben in der Organisation eigentlich zugeschüttet. Diejenigen, die die Personaldebatte jetzt neu führen, reißen diese Gräben wieder auf", sagte er im infoRadio Berlin-Brandenburg.

Der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine nannte das Führungsduo Peters/Huber "klug und weise". Er hoffe, dass Peters dem öffentlichen Druck standhalte und auf dem Gewerkschaftstag im Oktober für den IG-Metall-Vorsitz kandidiere, sagte Meine am Montag im ZDF-Morgenmagazin.

"Soziale Gerechtigkeit neu buchstabieren"

Der Bezirksleiter der IG Metall in Bayern, Werner Neugebauer, forderte dagegen am Montag im Deutschlandfunk erneut den Rückzug von Peters. Alle, die politische Verantwortung für den gescheiterten Streik in Ostdeutschland trügen, sollten über persönliche Konsequenzen nachdenken. Damit sei nicht nur Peters gemeint, sondern auch andere führende Metaller.

Der Generalsekretär des Europäischen Metall-Gewerkschaftsbundes, Reinhard Kuhlmann, sagte im DeutschlandRadio Berlin, die IG Metall müsse handlungsfähig werden, zumal sie in Europa bei vielen Themen eine führende Position zu übernehmen habe. Angesichts des gescheiterten Streiks in Ostdeutschland müsse die Gewerkschaft die Realitäten weltweit wahrnehmen und lernen, "soziale Gerechtigkeit unter veränderten Bedingungen zu buchstabieren".

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, sprach sich in der "Financial Times Deutschland" für eine rasche Entscheidung der Führungsfrage aus, "gegebenenfalls auch auf einem vorgezogenen Gewerkschaftstag". Kannegiesser weiter: "Die IG Metall muss sich jetzt entscheiden, ob sie vor allem eine Kampforganisation alter Prägung bleiben will oder gemeinsam mit den Arbeitgebern nach neuen Wegen suchen will, die Branche nach vorn zu bringen."

Arbeitskampf: Chronik eines gescheiterten Streiks Streikniederlage: IG Metall vor der Zerreißprobe

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