WestLB Die Herren der Löcher

Im Wochentakt kommen neue Milliardenlöcher bei der WestLB ans Licht. Nicht nur mit ihrer Londoner Investmentbank und mit Flugzeugfinanzierungen hat die Bank viel Geld versenkt. Auch der Reisekonzern TUI steht noch zu einem stolzen Preis in den Büchern.

Düsseldorf - Im Management der Westdeutschen Landesbank (WestLB) kehrt keine Ruhe ein. Neben Risiken aus den Londoner Investmentbank-Aktivitäten und bei Flugzeugfinanzierungen kämpft das Institut mit "erheblichen stillen Lasten aus Börsenbeteiligungen". Das räumte der Interims-Chef des Instituts, Johannes Ringel, bei der jüngsten Aufsichtsratssitzung ein, berichtet "DER SPIEGEL" in seiner neuen Ausgabe.

So stehe die 30-Prozent-Beteiligung am Reisekonzern TUI noch zu 20 Euro pro Aktie in den Büchern, obwohl der Kurs der TUI-Aktie  seit Monaten unter der Marke von 14 Euro dümpelt. Ringel bestätigte in der Sitzung die Größenordnung zusätzlicher Risiken in Höhe von 1,5 Milliarden Euro.

Die Hauptversammlung hat den Vorstand noch immer nicht entlastet. Zunächst sollen die Untersuchen der Bankenaufsicht abgewartet werden.

Anfangsverdacht für Strafverfahren?

Die Untersuchungen der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bei dem Institut werden nach Angaben der Behörde noch Monate dauern. "Ich gehe davon aus, dass wir erst Ende des Jahres mehr wissen", sagte Staatsanwalt Hans-Josef Wassen der "Welt am Sonntag". Derzeit werde geprüft, ob ein Anfangsverdacht für ein Strafverfahren vorliegt.

Dabei beziehen sich die Ermittler auf den Fall des britischen TV-Leasing-Unternehmens Boxclever, dem die WestLB einen Milliardenkredit zur Verfügung stellte. Als wahrscheinlich gilt ein Vorwurf der Untreue.

Innenrevision im Visier

Unterdessen sickert durch, auf welche Bankbereiche sich die Vorwürfe im ersten Teil des Prüfberichts der Bonner Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beziehen. Besonders im Visier soll dabei die Innenrevision der Bank sein. Das betreffe nicht nur den inzwischen aussortierten Vorstandschef Jürgen Sengera und seinen Vorstandskollegen Andreas Seibert, sondern auch die darunter liegenden Ebenen, heißt es.

Noch Ende Juni hatte die Bank erklärt, dass eine Untersuchung der Innenrevision keinen Anhaltspunkt für eine Straftat ergeben habe. Keine Versäumnisse dagegen soll die BaFin angeblich bei den Aufsichtsorganen der WestLB festgestellt haben. Dazu zählen der frühere Verwaltungs- und heutige Aufsichtsrat, der Kredit- und der Prüfungsausschuss.

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