Porsche Nur noch 50 Boxster pro Tag?

Trotz Facelifting - der in die Jahre gekommene Boxster verkauft sich schlechter als geplant. So wurde auf dem US-Markt ein Minus von mehr als 50 Prozent eingefahren. Resultat dürfte eine erneute Drosselung der Produktion sein.

Stuttgart - In der Zuffenhausener Porsche-Zentrale  denkt man über eine Drosselung der Boxster-Produktion nach. Die "Börsenzeitung" berichtet von Plänen, die Tages-Stückzahl für das preislich am unteren Ende der Porsche-Preisliste rangierende Modell, erneut zu reduzieren.

Im Boxster-Werk in Finnland, wo das Auto von Valmet Automotive zusammengesetzt wird, war die Fertigung im Frühjahr von 90 auf 70 Stück zurückgefahren worden. Nun soll angeblich erneut reduziert werden - auf nur noch 50 Stück pro Tag.

Auch wenn es bald einige neue Varianten des nun sieben Jahre alten Modells geben soll, wie beispielsweise ein Coupé mit festem Dach, dürfte das den Absatz nicht sprunghaft erhöhen. Erst für 2005 ist das neue Boxster-Modell angekündigt. Ein Jahr später als für den 911er.

Für Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking steht die Ankurbelung des Boxster-Absatzes vermutlich nicht ganz oben auf der Prioritätenliste, denn beim 911er und dem Cayenne streicht der Konzern höhere Margen ein.

Lehman Brothers lobt Kalkulation für neuen GT3

Das gilt erst recht für die 200 bis 300 Einheiten, die vom Sondermodell 911 GT3 gebaut werden sollen. Bei einem Verkaufspreis von 125.000 Euro ist pro Fahrzeug vor Zinsen und Steuern ein Gewinn von 50.000 Euro für Porsche möglich, errechneten Analysten der Investmentbank Lehman Brothers. Sie erneuerten ungeachtet der geschrumpften Boxster-Zahlen ihre Kauf-Empfehlung für die Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG und vergaben ein "overweight"-Urteil.

Auf dem für Porsche wichtigsten Markt verbuchte der Konzern im vergangenen Juni die zweithöchste Absatzzahl für den Monat seit Gründung: 2285 Neuwagen wurden verkauft, 27 Prozent mehr als im Juni 2002. Diese Erfolgszahl ist aber im wesentlichen auf "den dritten Porsche" (Werbeslogan) zurückzuführen: 1.500 Stück des Sport-Utility-Vehicles (SUV) wurden abgesetzt - mehr als 911er und Boxster zusammen. Letzteres Modell knickte mit 550 Stück im Vergleich zum Vorjahresmonat um 53 Prozent ein, der 911er verlor 24 Prozent auf 842 Fahrzeuge.

Die Frage, ob Porsche die hohe Nachfrage nach dem Cayenne trotz des jüngsten Streiks im Osten befriedigen kann, bejaht der Konzern: Zwar wird im Porsche-Werk Leipzig zum 1. August ein Haustarif eingeführt, der die Wochenarbeitszeit von 40 auf 38 Stunden senkt.

Die zwei nun entfallenden Stunden wurden laut Porsche in der Vergangenheit aber hauptsächlich für Qualifizierungsmaßnahmen genutzt - die Mechaniker mussten für die Montage des Cayenne ausgebildet werden. Da diese Fortbildung abgeschlossen sei, macht sich die beschlossene Stundenreduzierung angeblich kaum bemerkbar. In Leipzig arbeiten derzeit 300 Porsche-Beschäftigte, mit der Produktion des neuen 911er GT soll die Zahl um weitere 70 wachsen.

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