WestLB Das Tor zur Welt bleibt offen

Nach der Aufsichtsratssitzung steht fest, dass die angeschlagene Landesbank sich trotz des Londoner Debakels nicht aus dem internationalen Geschäft zurückzieht. Außerdem wurde Johannes Ringel zum Vorstandschef auf Zeit benannt.

Düsseldorf - Auch nach dem Milliardendebakel mit riskanten Auslandsgeschäften hält die WestLB an ihrem internationalen Geschäft fest.

Der Aufsichtsrat der Bank erklärte am Mittwoch nach einer Sitzung, die WestLB werde eine Strategie mit drei Säulen verwirklichen. Sie werde sowohl internationale Geschäftsbank als auch Kompetenzcenter für den Mittelstand und die Sparkassen sein. Zugleich berichtete die Bank von einem deutlich gestiegenen Betriebsergebnis in den ersten fünf Monaten.

Johannes Ringel (62) wurde zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. Er werde sein Amt bis zur Bestellung eines langfristigen Nachfolgers ausüben, erklärte der Aufsichtsrat. Ringel hatte das Amt nach dem Rücktritt von Bank-Chef Jürgen Sengera kommissarisch übernommen.

"Dauerhafte operative Stabilität"

Als internationale Bank wird die WestLB den Angaben zufolge in Zukunft einen deutlichen Schwerpunkt auf Europa haben und an den wichtigen Finanzplätzen der Welt vertreten sein. Die drei Säulen sollen der WestLB "eine dauerhafte operative Stabilität verleihen, um auch nach Wegfall von Anstaltslast und Gewährträgerhaftung durch ein gutes Rating einen Spitzenplatz im Markt einzunehmen".

Besonderes Augenmerk werde die WestLB auf Profitabilität legen und darauf, "dass Ertrag und Risiken in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen".

Gesunkene Personal- und Sachkosten

Nach Angaben der Bank lag das Betriebsergebnis vor Risiko in den ersten fünf Monaten mit rund 476 Millionen Euro weit über Budget und um 350 Millionen Euro über dem Vorjahreszeitraum. Dies sei vor allem auf ein verbessertes Zinsergebnis sowie weiter gesunkene Personal- und Sachkosten zurückzuführen. Die Risikofähigkeit sei deutlich gestärkt worden.

In einer Aktuellen Stunde des Düsseldorfer Landtags hatte der nordrhein-westfälische Finanzminister Jochen Dieckmann bereits gesagt, niemand wolle der Bank ihre internationale Ausrichtung absprechen. Das gelte auch für die Verantwortlichen der Sparkassen-Organisationen. Das Land Nordrhein-Westfalen ist größter Anteilseigner der WestLB.

Was wird aus Robin Saunders?

Personalie Robin Saunders wurde nicht behandelt

Dieckmann sagte aber auch, es werde der Bank sicherlich gut tun, "sich stärker ihrer Nähe zur Sparkassenorganisation und der Sparkassen-Welt zu erinnern". Dieckmann kündigte an, die Bank werde alle Risiken offen legen, die noch in ihrem Portfolio schlummerten.

Alle Verantwortlichen würden benannt. Die Personalie Robin Saunders, WestLB-Beschäftigte in London, wurde auf der Aufsichtsratssitzung nicht behandelt. Dies verwundert, da die Star-Investmentbankerin der WestLB in der Vergangenheit als Mitverantwortliche für einen Wertberichtigungsbedarf von fast einer halbe Milliarde Euro verantwortlich gewesen sein soll.

"Schlimmste Bankenkrise der NRW-Geschichte"

Die Aktuelle Stunde zum "Desaster bei der WestLB" war von der CDU verlangt worden. Ihr Fraktionsvorsitzender Jürgen Rüttgers bezeichnete den Fall WestLB als die schlimmste Bankenkrise in der Geschichte des Bundeslandes.

"Die CDU will, dass alle Risiken offen gelegt werden. Es müssen alle Ecken kompromisslos ausgekehrt werden", sagte er. Die Verantwortlichen müssten benannt werden und die Konsequenzen tragen. Dabei gehe es auch um die politische Verantwortung für die Landesbank.

BaFin-Bericht: Ein Fall für den Staatsanwalt WestLB: Verdächtige Ruhe an der Themse

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