Deutsche Bahn Volle Kraft zurück

Nach massiven Protesten und miserablen Fahrgastzahlen führt die Deutsche Bahn die alte BahnCard wieder ein - allerdings zu veränderten Konditionen.

Berlin - Die Deutsche Bahn führt ab August die alte Bahncard mit 50 Prozent Rabatt wieder ein. Das teilte Bahnchef Hartmut Mehdorn am Mittwoch in Berlin mit. Der SPIEGEL hatte am vergangenen Wochenende schon über entsprechende Absichten der Bahn berichtet.

Die "Bahncard 50" wird allerdings deutlich teurer. Sie kostet für die zweite Klasse künftig 200 Euro statt früher 140 Euro und für die erste Klasse 400 Euro statt 280 Euro. Bestehen bleibt zugleich die neue Bahncard mit 25 Prozent Ermäßigung. Sie kostet künftig für die zweite Klasse nur noch 50 statt bisher 60 Euro.

Das System der Frühbucher-Rabatte wird ebenfalls geändert. Künftig gibt es nur noch zwei Stufen mit 25 und 50 Prozent Rabatt. Die Tickets für beide Sparpreise müssen einheitlich nur noch drei Tage vor der Fahrt gekauft werden. Bislang gab es - je nach Buchungstag vor der gewünschten Abfahrt - 10, 25 oder 40 Prozent Ermäßigung. Bei der künftigen Bahncard mit 50 Prozent Rabatt soll es fortan eine Mitfahrerermäßigung geben. Eigene Kinder unter 15 Jahren fahren kostenlos mit.

Hoher Betriebsverlust

Mit der Wiedereinführung der Bahncard für Fahrten zum halben Preis kommt Bahn-Chef Mehdorn Forderungen aus der Politik sowie von Umwelt- und Fahrgastverbänden nach. Ursprünglich hatte die Bahn das Preissystem frühestens nach einem Jahr ändern wollen.

Auf Grund massiver Probleme im Personenfernverkehr musste der Konzern jetzt jedoch früher reagieren. In den ersten fünf Monaten des Jahres lag der Umsatz in dieser Sparte nach dpa-Informationen mit 1,02 Milliarden Euro um rund 262 Millionen Euro unter Plan. Der Betriebsverlust betrug 231 Millionen Euro. Geplant war lediglich ein Minus von 28 Millionen Euro. Als Gründe dafür nannte die Bahn unter anderem die Konjunkturflaute sowie die gestiegene Konkurrenz durch innerdeutsche Billigflieger.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es im Fernverkehr im ersten Quartal dieses Jahres nur noch 27 Millionen Fahrgäste - ein Minus von 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Statistiker führten dies auch auf Änderungen bei Preis- und Tarifsystemen zurück.

Harald Schmidt wirbt für das neue Preissystem

Den Kunden, von denen die meisten in den vergangenen Wochen die Einführung der alten Bahncard gefordert hatten, soll Entertainer Harald Schmidt die Sache jetzt schmackhaft machen.

Er wird die neueste Rolle rückwärts in Sachen Preissystem via Werbung erklären. Ab Mittwoch abend schaltet die Bahn TV-Spots im Stil einer Nachrichtensendung, in denen Schmidt auf die Vorzüge des neu gestalteten Preissystems hinweist. Vom kommenden Montag an gibt es dazu auch Print-Werbung. Claim: "Einfach einsteigen, einfach sparen."

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