Grundig-Chronik Der Niedergang einer Marke

Über den Traditionskonzern Grundig wurde nach mehr als zweijährigem Überlebenskampf das Insolvenzverfahren eröffnet. Die wichtigsten Stationen der vergangenen Jahre im Überblick.

1951:

Aus der Hinterhofwerkstatt des Fürther Radiohändlers Max Grundig ist der größten Rundfunkgeräte-Hersteller Europas geworden. Grundig gilt als Vorzeigeunternehmer des Wirtschaftswunders.

1984: Der Unternehmensgründer tritt zurück und verkauft seine Firma an den niederländischen Elektronikkonzern Philips. Dem gelingt es jedoch nicht, Grundig in den 90er Jahren erfolgreich durch die Flaute im Markt für Unterhaltungselektronik zu führen. Zudem belasteten die Versorgungszahlungen an die Witwe des 1989 verstorbenen Firmengründers den Konzern.

Dezember 1997: Ein Konsortium übernimmt mit Hilfe der bayerischen Politik den Traditionskonzern. Die neuen Eigentümer sind diverse Banken, das Antennen-Unternehmen Kathrein sowie drei Grundig-Spitzenmanager.

November 2000: Der Rosenheimer Antennenbauer Anton Kathrein erwirbt die Aktienmehrheit bei Grundig und wird Vorsitzender des Aufsichtsrats. Er ist mit 89 Prozent der Anteile auch der Mehrheitseigner. Die restlichen elf Prozent liegen in den Händen der Banken. Doch das Unternehmen kommt nicht in Schwung. Hunderte Arbeitsplätze werden gestrichen. Dennoch bleibt Grundig tief in den roten Zahlen.

31. Dezember 2000: Grundig beschäftigt rund 5900 Mitarbeiter, davon 3000 in Deutschland.

29. März 2001: Der Aufsichtsrat billigt das Sanierungskonzept der Unternehmensberatung Roland Berger. Es sieht den Abbau von 900 Stellen und die Verlagerung der Fernsehproduktion von Nürnberg nach Wien vor.

9. Mai 2001: Hans-Peter Kohlhammer wird neuer Grundig-Vorstandschef.

Juni 2001: Grundig verlagert seine Fernsehgeräteproduktion von Nürnberg nach Wien.

2. Juli 2001: Grundig kündigt die Suche nach einem starken Finanzpartner an.

13. September 2001: Die Sparte Formenbau wird verkauft.

31. Dezember 2001: Die Verluste 2001 belaufen sich auf 150 Millionen Euro. Grundig beschäftigt noch knapp 5400 Mitarbeiter.

16. Mai 2002: Vorstandschef Kohlhammer kündigt schwarze Zahlen für das Jahr 2003 an.

10. Juni 2002: Die japanische Fujitsu Ten Ltd. beteiligt sich an der Autoradio-Sparte.

5. September 2002: Mit dem taiwanesischen Sampo-Konzern wird eine Absichtserklärung über eine Beteiligung unterzeichnet. Die Banken erweitern die Kreditlinien.

8. Januar 2003: Sampo unterzeichnet einen Vertrag zur Übernahme von Grundig. Der Konzern beschäftigt noch rund 2800 Mitarbeiter, davon 1300 in Deutschland.

4. März 2003: Die Übernahme durch Sampo platzt. Zugleich wird eine Absichtserklärung mit dem türkischen Beko-Konzern für eine mehrheitliche Übernahme unterzeichnet.

7. April 2003: Beko gibt seinen Verzicht auf die Übernahme bekannt.

8. April 2003: Vorstandschef Kohlhammer geht. Neuer Chef wird der Insolvenzverwalter Eberhard Braun.

14. April 2003: Grundig beantragt die Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

26. Mai 2003: Das TV-Geräte-Werk in Wien wird geschlossen.

Die Insolvenz wird eröffnet

28. Mai 2003: Vorstandschef Braun legt den Posten nach nicht einmal zwei Monaten nieder.

11. Juni 2003: Grundig-Produktionsvorstand Werner Saalfrank wird zum neuen Vorstandssprecher ernannt. Der bisherige Grundig-Vorstandschef Eberhard Braun hatte seinen Posten Ende Mai nach nur wenigen Wochen niedergelegt. Begründet wurde dies mit dem Verzicht auf die ursprünglich geplante Insolvenz in Eigenverwaltung, die dem Vorstand mehr operativen Spielraum gelassen hätte.

Der neue Vorstandssprecher verantwort nach Angaben des Unternehmens alle Geschäftsbereiche einschließlich Technik und Marketing. Damit würden die operativen Einheiten zusammengefasst. Saalfrank gehört dem Vorstand seit zwei Jahren an. Dort leitete er bislang die Ressorts Entwicklung und Produktion. Zuvor war er bereits von 1988 bis 1996 für das Unternehmen tätig.

1. Juli 2003: Das Amtsgericht Nürnberg stellt die Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung des Unternehmens fest und eröffnet das Insolvenzverfahren. Damit steht der traditionsreiche Elektronik-Konzern endgültig vor der Zerschlagung. Nach Angaben des Insolvenzverwalters Siegfried Beck werden 500 der derzeit rund 1.300 Mitarbeiter den Fortbestand des Geschäftsbetriebes sichern. 700 Beschäftigten werden in eine Auffanggesellschaft wechseln, 100 Lehrlinge werden weiter ausgebildet.

8. August 2003: Die Beschäftigungsgesellschaft für die von der Insolvenz der Nürnberger Grundig AG betroffenen Mitarbeiter hat ihre Arbeit aufgenommen. 700 ehemalige Grundig-Werker und 80 Lehrlinge des Konzerns finden dort einen neuen Arbeitgeber.

24. September 2003: Die Übernahme der Grundig-Betriebsrenten durch den Pensionssicherungsverein ist unter Dach und Fach.

17. November 2003: Delphi gibt die Übernahme der Grundig-Autoradiosparte in Nürnberg bekannt.

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