Grundig Startschuss zum Schlachtfest

Das Insolvenzverfahren für die Traditionsmarke ist eröffnet. Der klangvolle Name dürfte damit nur noch befristet in den Regalen der Hifi- und TV-Händler auftauchen. Für die profitablen Sparten Autoradio, Diktiergeräte und Satellitentechnik sind die Überlebenschancen besser.

Nürnberg - Rund zweieinhalb Monate nach dem Insolvenzantrag hat das Amtsgericht Nürnberg das Insolvenzverfahren über den fränkischen Unterhaltungselektronikanbieter Grundig eröffnet.

"Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung sind nach Feststellung des Gerichts gegeben", teilte das Gericht am Dienstag in Nürnberg mit. Als Insolvenzverwalter sei der bereits vorläufig eingesetzte Rechtsanwalt Siegfried Beck bestätigt worden.

Grundig hatte Mitte April nach jahrelanger ergebnisloser Suche nach einem finanzstarken Investor Insolvenzantrag gestellt. Damit sollte der Konzern von Altlasten befreit und schließlich als Ganzes verkauft werden. Ein Ziel, von dem das Management mittlerweile mangels Interessenten abgerückt ist - die Zerschlagung des Traditionskonzerns gilt nun als unabwendbar.

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1945 begann es mit dem Röhrenmessgerät Novatest bei Grundig.

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Foto: Grundig
Mit der Einführung der Ultrakurzwelle in Deutschland bringt Grundig 1950 den Radioempfänger 380 W auf den Markt.

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Foto: Grundig
1953 kommt mit dem 998 Mark teuren Fernsehempfänger 610 erstmals ein erschwingliches Gerät auf den Markt.

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Foto: Grundig
1955: Der Musikschrank 7080 W/3 D, wegen seiner Füsse "schräger Max" genannt, vereinigt Radio und Plattenspieler.

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Foto: Grundig
Der Tonbandkoffer TK830 wird 1958 der "Hit des Jahres". Er kostete 965 Mark.

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Foto: Grundig
Für den Urlaub 1963: Der Weltempfänger Ocean Boy mit drei Kurzwellenbereichen

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Foto: Grundig
Foto: [M]PR;mm.de
1964: Mit Einlochbandmagazin und Folien-Tonträger hat das neue elektronische Notizbuch EN 3 insgesamt 44 Minuten Aufnahmekapazität.

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Foto: Grundig
1967 startet des Farbfernsehen in Deutschland. Passend dazu präsentiert Grundig unter anderem den T 1000 Color.

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Foto: Grundig
1968 kommt von Grundig der HiFi-Stereo-Verstärker SV 140 mit eingebauten Equalizer auf den Markt. Er kostet damals 1.245 Mark.

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Foto: Grundig
1972: Die Kompaktanlage Studio 2000 Hi-Fi 4D-Stereo erscheint in einer Slim-Line-Optik.

1972: Die Kompaktanlage Studio 2000 Hi-Fi 4D-Stereo erscheint in einer Slim-Line-Optik.

Foto: Grundig
1976 wird der Begriff Receiver (für Radio und Verstärker in einem Gerät) eingeführt. Bei Grundig trägt der HiFi-Receiver 50 als erster diesen Namen.

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Foto: Grundig
Die HiFi-Aktiv-Box 50 Professional erscheint 1978. Sie hat einen integrierten Verstärker und schafft 120 Watt Nennleistung.

Die HiFi-Aktiv-Box 50 Professional erscheint 1978. Sie hat einen integrierten Verstärker und schafft 120 Watt Nennleistung.

Foto: Grundig
Mit Video 2000 kommt 1981 ein neuer Standard bei Heimvideorecordern heraus. Die Wendekassette löst schnell die SVC-Cassetten ab. Das System war nach verschiedenen Tests dem gleichzeitig erscheinendem VHS-System überlegen - das sich aufgrund der Marktmacht der Anbieter aber trotzdem durchsetzte.

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1983 noch Telefonbeantworter genannt: Der Teleboy 1000 für den Privatmann.

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Foto: Grundig
1995 als revolutionäres Sound-System gefeiert: Space Fidelity "erzeugt Raumklang unabhängig von Standort des Zuhörers", versprach Grundig.

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Foto: Grundig
Seit 1999 kann man bei Grundig MP3 auch mobil hören: Der MPaxx-Walkman.

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Foto: Grundig

Die mehr als 1300 Beschäftigten des zahlungsunfähigen Elektronikherstellers sollen in eine Qualifizierungsgesellschaft wechseln. Dafür ist nach Angaben der IG Metall die Finanzierung gesichert. Grundig steht damit vor der Zerschlagung. Die profitablen Sparten Autoradio, Diktiergeräte und Satelliten-Kopfstationen sollen einzeln verkauft werden. Der Markenname Grundig soll für alle Bereiche erhalten bleiben.

Eine endgültige Entscheidung über eine Auffanggesellschaft steht nach Worten eines Grundig-Sprechers nach wie vor aus. Details seien noch offen, sagte er auf Anfrage. Es sei aber davon auszugehen, dass es zu einer Einigung komme.

Da ein Verkauf von Grundig im Ganzen bislang unmöglich war, suchen Insolvenzverwalter und Vorstand nunmehr nach Investoren für einzelne Sparten. Allerdings sind dem Vernehmen nach vorerst keine Abschlüsse zu erwarten.

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