Deutsche Bahn Die Kunden bleiben weg

Der Betriebsverlust wächst und damit der Druck auf Vorstandschef Mehdorn. Allein im Personen-Fernverkehr liegt die Bahn 20 Prozent unter Plan. Alte und neue Konzepte sollen jetzt den Kundenschwund stoppen.

Berlin - Tiefrote Zahlen haben Bahnchef Hartmut Mehdorn unmittelbar vor einer Aufsichtsratssitzung des Unternehmens unter Druck gebracht. Aus Bahnkreisen wurde am Montag bekannt, dass der Betriebsverlust in diesem Jahr bis Ende Mai bei 231 Millionen Euro liegt.

Die Verkehrsgewerkschaft Transnet indes setzte dem Vorstand eine Frist bis Dezember, um mit Korrekturen am neuen Preissystem wieder mehr Fahrgäste in die Züge zu holen. Transnet-Chef Norbert Hansen schlug in Berlin eine "Service-Offensive" des Unternehmens vor.

Neues Preissystem soll Kundenschwund aufhalten

Mehdorn will am Mittwoch zunächst dem Aufsichtsrat und dann der Öffentlichkeit Änderungen im neuen Preissystem bekannt geben, die den Kundenschwund aufhalten sollen. Hauptpunkt ist dabei nach bislang unbestätigten Berichten die Wiedereinführung der BahnCard mit 50 Prozent Rabatt. Der Umsatz im Fernverkehr der Bahn soll nach noch nicht offiziell bestätigten Angaben mit 1,02 Milliarden Euro zurzeit um 262 Millionen Euro unter Plan liegen.

Bahn-Aufsichtsratsmitglied Hansen sagte, allein im April seien die Verkehrsleistungen im Güter- und Personenverkehr um 1,5 Prozent zurückgegangen. Im Personen-Fernverkehr liege die Bahn 20 Prozent unter Plan.

Am Wochenende hatte "Der Spiegel" berichtet, nach den zahlreichen Protesten gegen das neue Preissystem solle die 50-Prozent-BahnCard wieder eingeführt werden. Statt der bis Mitte Dezember 2002 fälligen 140 Euro für die zweite Klasse beziehungsweise 280 für die erste Klasse solle sie künftig 200 beziehungsweise 400 Euro kosten. Zurzeit gibt es nur eine 25-Prozent-BahnCard.

Hansen verlangte: "Bei der Aufsichtsratssitzung im Dezember möchten wir wissen, ob die Korrekturen am Preissystem geholfen haben." Die Planziele für die Folgejahre müssten wieder als realistisch gelten. Im Gegensatz zur Bahn AG selbst, die die konjunkturelle Lage dafür verantwortlich macht, führen Kritiker den Fahrgastschwund auch auf die Ablehnung des Preissystems durch die Kunden zurück.

Der "Interregio" kommt jetzt als "City-Sprinter"

Transnet verlangte eine umfassende Ausweitung der Serviceleistungen der Bahn. Zum Konzept gehören laut Hansen unter anderem die Wiedereinführung des Interregio-Angebotes als "City-Sprinter", der mittelgroße Städte im Stundentakt verbinden soll, und die Anpassung der Intercity- und der ICE-Züge an die Bedürfnisse der Kunden. Hansen forderte darüber hinaus einen "ehrlichen Fahrplan", um die Bahn wieder pünktlicher zu machen. Zurzeit betrügen die Pünktlichkeitsraten "knapp 80 Prozent".

"Nach unserer Auffassung müssen im direkten Service-Bereich rund 2000 neue Stellen geschaffen werden", sagte Hansen. "Dies würde zusätzliche Personalkosten von 70 Millionen Euro pro Jahr bedeuten."

Würden mit dem neuen Konzept eine Million neue Kunden gewonnen, so brächte allein das Umsatzsteigerungen von jährlich etwa 250 bis 350 Millionen Euro.

VCD-Vorsitzender Michael Gehrmann sprach von einem "mutigen Schritt" der Bahn. Auch BUND-Sprecher Tilmann Heuser äußerte sich positiv. "Wir erwarten von der Bahn ein Angebot für Vielfahrer", sagte er. Beide lehnten den höheren Preis nicht grundsätzlich ab.

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